Spätestens seit der US-amerikanischen Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier ..." mit Bill Murray in der Hauptrolle, ist das possierliche Murmeltier jedem ein Begriff. In den USA hat das "Waldmurmeltier" am sogenannten "Groundhog Day" die Aufgabe den Frühlingsstart vorauszusagen, doch unser heimisches Alpenmurmeltier ist wesentlich weniger berühmt und deshalb auch nicht so wichtig.
Obwohl das pfiffige Kerlchen eigentlich ein richtiger Überlebenskünstler ist, setzen ihm mittlerweile der Klimawandel, Jagdtourismus und Lebensraumverlust in Österreich ordentlich zu. Der Österreichische Tierschutzverein würde dies gerne wieder umkehren, denn das "Mankei" ist viel zu besonders, um es von der österreichischen Bildfläche verschwinden zu lassen.
Unser Alpenmurmeltier hält bis zu sieben Monate extremen Winterschlaf unter der Erde, da es soweit oben in den Bergen lebt, wo andere Säugetiere meist kapitulieren. In der kalten Zeit, spart es dank Absenkung seiner Körpertemperatur auf fast zwei Grad Celsius so viel Energie, dass es meist gut über den Winter kommt. Dünn und verschlafen wird es erst wieder munter, wenn die Nahrungssuche wieder möglich ist.
Doch ihre ausgeklügelte Überlebensstrategie gerät durch den Klimawandel zusehends ins Wanken. Denn im Alpenraum steigen die Temperaturen deutlich schneller als im Flachland. Sichtbar z. B. am rapiden Schmelzen der Gletscher. Daher weichen Murmeltiere immer weiter nach oben in kühlere Regionen aus. Doch dort stößt ihr Lebensraum an Grenzen: Gipfel, Fels und zu wenig grabfähiger Boden lassen kaum Raum zum Ausweichen.
Warum das Alpenmurmeltier soweit oben lebt, hat seinen Grund, denn das kleine Tier besitzt keine Schweißdrüsen. Alles über 20 Grad Celsius bedeutet Stress und Rückzug in die kühlen Bauten. Doch wenn sie sich nicht draußen aufhalten können, fressen sie weniger und haben keine Chance auf genügend Fettreserven für den Winter.
„Die österreichische Rote Liste der Säugetiere stammt noch aus dem Jahr 2005 und wurde seit über 20 Jahren nicht aktualisiert – fatal für eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Lage“Alexios WiklundSprecher, Österreichischer Tierschutzverein
Als Eiszeitrelikt verfügt das Alpenmurmeltier über eine sehr geringe genetische Vielfalt. Studien zeigen, dass isolierte Populationen anfälliger für Krankheiten sind und sich schlechter an Umweltveränderungen anpassen können. Dennoch gilt das Alpenmurmeltier offiziell nicht als bedroht - auch, weil aktuelle, flächendeckende Daten fehlen.
Je nach Bundesland dürfen jedes Jahr tausende Tiere bei der Jagd getötet werden. Skandalös sind geführte Murmeltier-Jagdreisen als Freizeiterlebnis. Für den Österreichischen Tierschutzverein ist das angesichts von Klimastress, Lebensraumverlust und genetischer Schwäche völlig unverantwortlich.