Tierisches Vorbild

Deshalb ist das Vorbild von Winnie the Pooh so traurig

Den wunderbaren Kinderbuchliebling, verfilmt von den Disney-Genies, "Winnie the Pooh" gab es wirklich. Doch diese Geschichte ist ziemlich traurig.
31.01.2026, 08:15
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Wer liebt "Winnie the Pooh" mit seiner Menagerie an lustigsten Tier-Charakteren im Hundert-Morgen-Wald nicht? Den "silly old bear", mit wertvollen Lebensweisheiten, die er vor allem mit Menschenbub Christopher Robin teilt, kann man ja auch nur liebhaben. Die wenigsten wissen jedoch, dass es weit vor Disney und vor dem Buch das Bärenmädchen "Winnipeg" gab - ein Vorbild und -  für Tierschützer - traurige Inspiration.

"Hab einen Bären gekauft"

Für nur 20 US-Dollar kaufte ein Tierarzt namens Harry Colebourn am 24. August 1914 ein verwaistes Bärenkind auf einem Bahnhof in der kanadischen Provinz Ontario und taufte das Mädchen "Winnipeg Bear". Der gebürtige Brite war gerade auf dem Weg zu einem Militärlager kanadischer Truppen, als er auf dem Bahnsteig das Bärenbaby nicht übersehen konnte und dem Jäger, der die Bärenmutter erlegt hatte, abkaufte.

Kriegsmaskottchen

"Winnie" war ab diesem Zeitpunkt ständiger Begleiter ihres Herrchens und wurde an einer Kettenleine sogar per Schiff mit über den Atlantik genommen, als in Europa der Erste Weltkrieg ausbrach. Colebourn wurde mit seiner Einheit in Südengland stationiert und "Winnie" war beliebtes Kriegsmaskottchen der Kameraden, die abwechselnd mit ihr spielten und sie fütterten. Die Bärendame war inzwischen handzahm und schlief unter den Feldbetten ihres Besitzers.

Ab in den Zoo

Offenbar wollte der Tierarzt seiner "Winnie" aber keine weiteren Reisen zumuten und verbrachte sie in den Zoo von London, während er mit seiner Einheit nach Frankreich reisen musste. Nach Kriegsende sollte "Winnie" dort wieder abgeholt werden, doch als Colebourn während vieler Besuche merkte, dass es der Bärendame im Zoo besser ging, schenkte er Publikumsliebling "Winnie" der öffentlichen Einrichtung, wo sie bis ins Jahr 1934 lebte.

Streichel-Bär

Da "Winnipeg" tatsächlich sehr zahm und zärtlich zu Menschen war, durften Zoobesucher sie per Hand füttern und Kindern wurde sogar teilweise erlaubt, auf ihr zu reiten. Genau hier fand auch "Winnie the Pooh" zum ersten Mal in den Gedanken des Schriftstellers A. A. Milne statt, denn sein Sohn "Christopher Robin Milne" war eines der Kinder.

Wieso traurig?

Auch wenn "Winnie" vermutlich geliebt war, so sprechen wir hier natürlich von einem Wildtier, das niemals artgerecht gehalten wurde. Alleine die Tatsache, dass sich ein verwaistes Bärenkind an seinen menschlichen Käufer bindet und wie ein Hund quer über den Ozean verfrachtet wird, ist natürlich höchst bedenklich. Im Zoo folgte dann die Zeit als Attraktion und Kinderliebling, die uns zwar "Winnie The Pooh" bescherte, aber für die Inspiration selbst nie den "Hundert-Morgen-Wald" erschaffen konnte.

{title && {title} } tine,red, {title && {title} } Akt. 31.01.2026, 10:48, 31.01.2026, 08:15
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