Klimakrise, kaputte Böden und eine Gesellschaft, in der sich scheinbar alles nur noch ums Geld dreht: Filmemacher Erwin Wagenhofer hat genug vom ständigen Krisenmodus. In seiner neuen Dokumentation "Atmosphere", die am 9. Oktober in die heimischen Kinos kommt, zeigt er, dass es auch anders gehen kann.
Dabei nimmt der österreichische Regisseur, der mit "We Feed the World" bekannt wurde, kein Blatt vor den Mund. "Kapital kommt in unserer Gesellschaft vor Reichtum. Der Kapitalismus ist momentan unsere Religion, und unser Gott ist das Geld", erklärt Wagenhofer im Interview. Das es bei dem Filmemacher an Mut nicht fehlt, zeigt seine eigene Historie: 1979 floh er mit seiner Familie in einem selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR. Jetzt macht er dem Rest der Menschheit Mut zur kapitalistischen Alternative.
Für seinen neuen Film hat sich Wagenhofer auf die Suche nach Menschen gemacht, die nicht länger nach den üblichen Spielregeln leben wollen. Darunter eine ehemalige Künstlerin, die ausgelaugte Äcker wieder zum Blühen bringt, Experten, die mit Lehm die Baubranche verändern wollen, und ein Schweizer Forscher, der zerstörte Landschaften wieder aufforstet.
Sie alle zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur kein Widerspruch sein müssen.
Wagenhofer sieht das eigentliche Problem nicht beim Menschen selbst: "Der Mensch ist ein beitragendes Wesen und kein ausbeuterisches. Das Wirtschaftssystem ist eigentlich das Zerstörerische."
Besonders beeindruckt hat den Filmemacher die Einstellung eines seiner Protagonisten. "Was mir am besten an Alain Maury gefällt, ist eigentlich, dass er sagt: 'Wir leben auf dem besten aller Planeten.' Warum wollen wir ausgerechnet diesen zerstören, indem wir ihn ausbeuten?"
Doch Wagenhofer geht es nicht nur um Klimaschutz. Er sieht auch einen Zusammenhang zwischen dem Zustand unseres Planeten und dem gesellschaftlichen Miteinander.
"Die klimatische Atmosphäre hängt meiner Meinung nach viel mit der Atmosphäre zwischen den Menschen zusammen. Und ich glaube, erst wenn sich die Atmosphäre zwischen den Menschen wieder verbessert, wird die andere nachziehen."
Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen will Wagenhofer mit seinem Film zum Umdenken anregen. "Das Verbindende soll im Fokus stehen und nicht das Spaltende. Aktuell leben wir aber in einer Gesellschaft, die gespalten auftritt."
Statt mit düsteren Zukunftsszenarien zu schockieren, setzt "Atmosphere" deshalb auf Menschen, die bereits Lösungen gefunden haben.
"Wir kennen das Problem und wir kennen die Lösungen, jetzt heißt es, Mut zu machen", bringt Wagenhofer seine Botschaft auf den Punkt. Ab Freitag, dem 9. Oktober, lädt "Atmosphere" im Kino dazu ein, die Welt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten – und sich inspirieren zu lassen.