Erst vergangene Woche meldete die Linzer Polizei einen großen Schlag gegen die Drogenkriminalität rund um das berüchtigte Kremplhochhaus: Nach monatelangen Ermittlungen wurden 85 Personen festgenommen, ein Lokal als zentraler Umschlagplatz praktisch stillgelegt. Helfen könnte beim Kampf gegen die Dealer auch mehr Videoüberwachung.
Die angekündigte Ausweitung lässt allerdings weiter auf sich warten. Bereits im September des vergangenen Jahres hatte Sicherheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) konkrete Standorte an das Innenministerium übermittelt – passiert ist seitdem wenig.
Auslöser war ein Erlass von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), der im August 2025 mehr Videoüberwachung an sicherheitsrelevanten Orten angekündigt hatte. Die Stadt Linz reagierte prompt und schickte eine Liste mit möglichen Standorten nach Wien. Darunter: der Hauptbahnhof, der Volksgarten und das Krempl-Hochhaus – allesamt Plätze mit hoher Frequenz oder wiederkehrenden Zwischenfällen.
Doch statt einer raschen Entscheidung begann ein bürokratisches Pingpong. Zunächst wandte sich Raml mit einem Schreiben direkt an Minister Karner und argumentierte, wo Überwachung aus Sicht der Stadt sinnvoll wäre. Das Innenministerium spielte den Ball jedoch zurück – an die Landespolizeidirektion (LPD) Oberösterreich. Dort könne man besser beurteilen, wo Kameras tatsächlich notwendig seien.
Im November kam es schließlich zu einem Treffen zwischen Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und Stadtrat Raml. Zusätzlich übermittelte die Stadt der LPD nochmals offiziell ihren Wunsch nach Überwachung an den drei bekannten Standorten. Doch auch danach blieb es still.
Mittlerweile sind mehrere Monate vergangen – ohne Ergebnis. Vor wenigen Wochen unternahm Raml einen weiteren Anlauf und richtete sein Ansuchen erneut an die Polizei. Doch auch dieser Schritt brachte keine Bewegung in die Sache.
Im Gegenteil: In der zuständigen Sicherheits- und verwaltungspolizeilichen Abteilung zeigt man sich überrascht. "Ein Antrag auf Errichtung einer Videoüberwachungsanlage liegt nicht auf", heißt es von dort. Für die Stadt bedeutet das de facto: zurück an den Start.
Für die Linzerinnen und Linzer heißt das vor allem eines: Geduld. Während sich Politik und Behörden abstimmen, bleibt die angekündigte Überwachung weiterhin Zukunftsmusik. Von den ursprünglich in Aussicht gestellten wenigen Monaten bis zur Umsetzung ist man inzwischen weit entfernt.
Raml hatte die Kameras stets als notwendige Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit bezeichnet. Kritiker – etwa von Grünen und KPÖ – warnen hingegen vor Eingriffen in Grund- und Freiheitsrechte.
Fest steht: Die bürokratischen Mühlen mahlen langsam. Und bis sich tatsächlich etwas an den geplanten Standorten tut, dürfte noch einige Zeit vergehen.