Welche Impfungen für Erwachsene in Österreich kostenlos sind, ist vielen gar nicht bewusst. Das zeigt eine aktuelle Umfrage: Zwar wissen 70 Prozent, dass die Covid-19-Impfung gratis ist, bei anderen wichtigen Impfungen sieht es aber deutlich schlechter aus. Nur 56 Prozent kennen die kostenlose Grippe-Impfung, bei Masern sind es sogar nur 38 Prozent.
Der Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) schlägt deshalb Alarm. Die neue Präsidentin Sigrid Haslinger fordert mehr Aufklärung und einen einfacheren Zugang zu Impfungen. "In der Realität sehen wir trotz positiver Einstellung sehr niedrige Durchimpfungsraten", so Haslinger.
Besonders gering ist die Bekanntheit bei neueren kostenlosen Angeboten: Die Impfungen gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) und Pneumokokken sind für Menschen über 60 gratis, doch nur 37 bzw. 33 Prozent wissen davon.
Immerhin: In der Zielgruppe der Senioren ist das Wissen etwas besser.
Auffällig ist auch: Drei von zehn Befragten wissen nicht, dass die Covid-19-Impfung weiterhin kostenlos angeboten wird.
Für die Mehrheit der Österreicher sind Ärztinnen und Ärzte die wichtigste Informationsquelle rund ums Impfen – ganze 76 Prozent vertrauen darauf. Dahinter folgen mit großem Abstand offizielle Gesundheitsportale sowie Familie und Freunde (je 27 Prozent).
Auch beim Ort der Impfung ist die Sache klar: 79 Prozent würden sich am liebsten beim Hausarzt impfen lassen. Fachärzte und Schulen folgen dahinter. Jeder Vierte könnte sich aber auch Impfungen in Apotheken vorstellen – obwohl das in Österreich derzeit noch nicht möglich ist.
Genau hier setzt die Kritik des ÖVIH an: Der Zugang zu Impfungen müsse niederschwelliger werden. Vorgeschlagen werden unter anderem Impfangebote in Betrieben, Schulen, Apotheken oder direkt im Krankenhaus – etwa durch einen Impfpass-Check bei der Aufnahme.
Auch das kostenlose Impfprogramm für Erwachsene soll ausgeweitet werden, etwa auf Krankheiten wie RSV oder Keuchhusten. Zusätzlich fordert der Verband Verbesserungen beim elektronischen Impfpass sowie klar definierte Impfziele.
Für ÖVIH-Generalsekretärin Renée Gallo-Daniel ist klar: "Impfungen sind eine globale Erfolgsgeschichte." Weltweit retten sie jedes Jahr Millionen Menschenleben. Gleichzeitig warnt sie vor einem bekannten Problem: Wenn Krankheiten durch Impfungen seltener werden, sinkt oft auch die Impfbereitschaft – und die Erreger können zurückkehren. Umso wichtiger sei es, die Bevölkerung besser zu informieren und den Zugang zu Impfungen zu erleichtern.