Was für viele Katzenhalterinnen und -halter zum Alltag gehört, wird jetzt zu einem wertvollen Beitrag für die Wissenschaft: Mäuse, Vögel oder Spitzmäuse landen nicht selten vor der Haustür – und genau diese Beute steht im Zentrum eines neuen Citizen-Science-Projekts in Wien.
Das Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge (LBI SOAP) nutzt den natürlichen Jagdinstinkt von Katzen, um Krankheitserreger in urbanen Räumen besser zu verstehen. Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Was Katzen fangen, verrät viel über jene Mikroorganismen, die auch für den Menschen relevant sein können.
Während die Forschung zu Viren und Bakterien oft auf ländliche oder exotische Regionen fokussiert, bleibt die Großstadt meist unterbelichtet. Dabei ist das Risiko keineswegs gering: Indirekte Kontakte mit Wildtieren – etwa über Staub, Wasser oder tierische Hinterlassenschaften – passieren häufiger, als vielen bewusst ist.
Studien zeigen, dass selbst kleine Säugetiere eine beeindruckende Vielfalt an Viren tragen können – nicht nur in China, auch hier in Österreich. Vor einigen Jahren wurden in Nagetieren in der Nähe des Neusiedler Sees mehrere potenziell für den Menschen gefährliche Erreger nachgewiesen: Borreliose, Leptospirose und das Dobrava-Belgrad-Hantavirus (DOBV). Diese können in seltenen Fällen auch auf den Menschen übergehen.
Darüber hinaus verursacht das ebenfalls in Nagetieren zirkulierende Puumala-Hantavirus in Österreich jedes Jahr mehrere Dutzend bis etwa 200 Infektionsfälle
Hier setzt das Projekt "ViroKitty" an. Forschende sammeln von Katzen erbeutete Tiere, analysieren sie im Labor und untersuchen sie auf Viren wie Influenza-, Hanta- oder Bornaviren sowie auf bakterielle Erreger.
„Wir sammeln tote kleine Säugetiere, Nagetiere und Vögel, sezieren diese im Labor und untersuchen dann die verschiedenen Organe auf eine Vielzahl unterschiedlicher Viren (z. B. Influenza-, Hanta- und Bornaviren) sowie ausgewählte bakterielle Erreger (z. B. Leptospiren).“Prof. Dr. Florian Krammer
Ziel ist es, ein genaueres Bild davon zu bekommen, welche Krankheitserreger in Wiens Tierwelt zirkulieren – und welche potenziellen Gesundheitsrisiken daraus entstehen könnten. Die Ergebnisse sollen langfristig helfen, Präventionsmaßnahmen gezielter zu gestalten.
Katzenhalterinnen und -halter können aktiv zur Forschung beitragen. Wer ein erlegtes Tier findet, kann es melden – das Forschungsteam holt den Fund ab und analysiert ihn. Wichtig ist dabei Schnelligkeit: Innerhalb von 24 Stunden sollte der Kadaver gemeldet und möglichst kühl gelagert werden.
Die Wissenschaftler betonen jedoch klar: Es geht nicht darum, Katzen gezielt jagen zu lassen. Vielmehr soll ein ohnehin vorhandenes Verhalten sinnvoll genutzt werden.
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Tel.: +436764611450 (auch per WhatsApp oder SMS)
Für Teilnehmende gibt es nicht nur das gute Gefühl, zur Forschung beizutragen: Sie erfahren auch, welche Tierart ihre Katze erbeutet hat – und ob Krankheitserreger nachgewiesen wurden.
So verbindet das Projekt Tierliebe, Bürgerbeteiligung und Gesundheitsvorsorge auf ungewöhnliche Weise. Oder anders gesagt: In Wien könnten Katzen bald nicht nur Mäusejäger sein, sondern auch stille Verbündete im Kampf gegen die nächsten Pandemien.