Die Tür geht auf, ein kurzer Blick – und schon ist klar: Dieses WC sieht alles andere als einladend aus. Reflexartig entscheidet man sich fürs "Drüberhocken". Schnell erledigt, bloß nichts berühren. Doch genau dieser scheinbar hygienische Trick kann langfristig mehr schaden als nützen.
Gerade unterwegs – ob auf Raststätten, in Bars oder öffentlichen Toiletten – greifen viele zu dieser Methode. Die Angst vor Keimen ist groß, das Vertrauen in die Sauberkeit gering. Also wird nicht gesessen, sondern balanciert. Was viele dabei nicht bedenken: Der Körper ist für diese Haltung eigentlich gar nicht gemacht.
Eine Spezialistin für Beckenbodengesundheit, Stephanie Bobinger vom Wexner Medical Center der Ohio State University, warnt: Diese Methode kann Infektionen, Probleme mit dem Beckenboden und sogar Harninkontinenz begünstigen. Das Problem liegt bei den Muskeln: "Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die Teil der 'Core'-Muskulatur ist und sich am unteren Ende des Beckens befindet – also jene Muskeln, auf denen du gerade sitzen könntest", erklärt Bobinger auf der Website des Wexner Medical Center.
Diese Muskeln helfen nicht nur beim Zurückhalten und Ausscheiden von Harn und Stuhl, sondern stützen auch deine Organe und sorgen für eine gute Haltung: "Wir nutzen sie ständig", so Bobinger.
Wenn du über der Schüssel schwebst, spannst du bestimmte Muskeln an. Dadurch kann der Harn nicht frei fließen. Oft pressen wir dann, um die Blase zu entleeren – und das ist ebenfalls eine schlechte Angewohnheit. Meist bleibt in dieser Position etwas Harn in der Blase zurück. Das kann laut Bobinger Folgen haben: "Wenn wir die Blase nicht ausreichend entleeren, kann Restharn zudem die Bildung von Bakterien begünstigen und so das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen. Dieser zusätzliche Harn kann auch zu Inkontinenz beitragen."
Meist kannst du den Toilettensitz einfach abwischen oder desinfizieren. Das Abdecken mit Klopapier bringt zwar weniger als viele glauben, aber wenn es dich beruhigt, spricht nichts dagegen. Und wenn es wirklich nicht anders geht, ist einmal Schweben auch kein Drama – aber zur Gewohnheit sollte das nicht werden.
Bobinger hat noch einen Tipp fürs Klo: Lass dich nicht stressen! "Wir neigen oft dazu, uns beim Toilettengang zu beeilen. Viele von uns sitzen wahrscheinlich nicht lange genug, um die Blase vollständig zu entleeren – weil schon die nächste Aufgabe wartet oder die Kinder draußen an die Tür klopfen. Schon 30 Sekunden langsames Atmen können helfen, den Harnfluss zu verbessern und das Becken zu schützen", schreibt die Ärztin.