Morgenmuffel mit Grund

Früh aufstehen? Für viele ist das gar nicht gescheit

Im Netz wird das Aufstehen um 5 Uhr früh als Wundermittel für Erfolg und Disziplin gefeiert. Doch Fachleute schlagen jetzt Alarm.
Heute Life
04.05.2026, 06:37
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Um fünf Uhr aufstehen, Sport machen, meditieren, arbeiten – und dem Leben einen Schritt voraus sein. So jedenfalls verkaufen es Internettrends, Coaches und Erfolgsgurus. Frühaufstehen gilt als Disziplin-Beweis und Abkürzung zum Erfolg. Doch Schlafexperten warnen: Dieses Lebensmodell passt längst nicht für alle – und kann sogar krank machen.

Die Disziplin schlägt Biologie nicht

"Diese ganze Bewegung beruht eigentlich auf der Annahme, dass früheres Aufstehen Disziplin erzeugt und dass Disziplin automatisch zum Erfolg führt", erklärt Schlafpsychologe Günther Amann-Jennson gegenüber 20 Minuten. Das Problem dabei: Disziplin wird über die Biologie gestellt. Schlaf folgt jedoch keiner Motivation, sondern einer inneren Uhr – und die ist genetisch festgelegt.

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Bist du Lerche oder Eule?

Die Wissenschaft unterscheidet grundsätzlich zwischen Frühaufstehern und Nachtmenschen: "Die Lerchen stehen in der Früh gerne auf, die haben nach dem Aufstehen gleich Appetit und die sind geistig und körperlich in der Früh leistungsfähig", erklärt Neurologin Birgit Högl der MedUni Innsbruck. "Die Eulen schlafen gerne ein bisschen länger und sind dann am Nachmittag auf ihrem geistigen Höhepunkt."

Schlafexperte Amann-Jennson schätzt: Rund 20 bis 25 Prozent sind ausgeprägte Lerchen, 20 bis 30 Prozent echte Eulen. Etwa die Hälfte liegt dazwischen. Das Erfolgsrezept vom Frühaufstehen passt also für viele überhaupt nicht.

So schläft der Körper besser ein:

Für guten Schlaf spielt die Umgebung eine entscheidende Rolle. Im Schlafzimmer sollte es möglichst dunkel sein – gedimmtes Licht am Abend hilft dem Körper, in den Schlafmodus zu wechseln. Auch Ruhe ist wichtig: Selbst leise Geräusche können den Schlaf unterschwellig stören.

Die Raumtemperatur sollte eher kühl sein, denn Einschlafen gelingt am besten, wenn der Körper Wärme abgeben kann, vor allem über Hände und Füße. Auch das Abendessen beeinflusst den Schlaf: Ideal ist eine leichte Mahlzeit mit genügend Abstand zum Zubettgehen – weder zu spät noch mit ganz leerem Magen.

Schlaf sollte kein Luxus sein

"Wer Schlaf als Grundlage von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit versteht, findet langfristig bessere Wege als einfache Erfolgsrezepte", betont Amann-Jennson. Es gehe nicht darum, früher aufzustehen, sondern die eigenen biologischen und psychischen Grenzen ernst zu nehmen.

Högl rät: "Ich würde sagen, bei begrenzter Lebenszeit und einem begrenzten 24-Stunden-Tag sollte man gut überlegen, was man wie gewichtet." Für ein gesundes Leben braucht es neben gesunder Ernährung, Bewegung und sozialen Kontakten eben auch genug Schlaf.

Zu wenig Schlaf macht krank

Wer ständig zu wenig schläft, riskiert, laut Högl, Einbußen beim Arbeitsgedächtnis, beim Reden, bei der Emotionskontrolle oder bei Entscheidungen. Auch die Schmerzempfindlichkeit steigt. Langzeitstudien zeigen: Wer dauerhaft zu wenig schläft, hat ein höheres Risiko für Stoffwechselprobleme, Diabetes und Bluthochdruck.

"Aus biologischer Sicht haben 95 Prozent der Menschen einen unzureichenden Schlaf, von Klein bis Groß", so Amann-Jennson. Schlafmangel ist somit nicht nur ein persönliches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Schulen starten oft zu früh, auch viele Arbeitszeiten passen nicht zu unserer inneren Uhr.

Diese Ursachen führen zu einer schlechten Schlafqualität

Schlafmangel hat auch Auswirkungen auf das Zusammenleben: "Die Müdigkeit führt Menschen dazu, weniger empathisch und dafür viel aggressiver zu werden." Das wisse man, kritisiert Amann-Jennson. Trotzdem werde kaum etwas dagegen unternommen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 04.05.2026, 06:37
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