Die jüngste Vogelgrippe hat im Südatlantik Tausende Seeelefanten das Leben gekostet. Zwischen 2022 und 2024 ist die Zahl der geschlechtsreifen Weibchen auf der Inselgruppe Südgeorgien offenbar dramatisch eingebrochen. Laut einer Studie, die im Fachblatt "Communications Biology" veröffentlicht wurde, dürfte die Population in den drei größten Kolonien um 47 Prozent zurückgegangen sein. Vor allem Weibchen im gebärfähigen Alter scheinen betroffen zu sein.
Die Forscher rund um den britischen Meeresbiologen Connor Bamford schätzen, dass in der heurigen Brutsaison rund 53.000 Weibchen auf der gesamten Inselgruppe fehlen. Südgeorgien liegt etwa 2.000 Kilometer östlich von der Südspitze Argentiniens und gilt als einer der wichtigsten Lebensräume für den südlichen Seeelefanten. Zu Ende des Winters auf der Südhalbkugel versammeln sich die sonst eher einzelgängerischen Tiere an den Stränden, um ihre Jungen zu bekommen und sich wieder zu paaren.
Der südliche Seeelefant stand 2014 noch nicht auf der roten Liste der gefährdeten Arten - die Vogelgrippe könnte dies jedoch schnell ändern.
Die Wissenschafter befürchten, dass der starke Rückgang der geschlechtsreifen Weibchen negative Folgen für die Stabilität der gesamten Population haben könnte.
Seit 2022 wütet die bisher größte Vogelgrippewelle, die sich über mehrere Kontinente zieht. Das besonders gefährliche H5N1-Virus trifft zwar vor allem Vögel, wurde aber auch schon bei einigen Säugetieren nachgewiesen. In Südamerika sind bereits Tausende Robben und Seelöwen daran verendet. Auf der argentinischen Halbinsel Valdés ist die Zahl der weiblichen Seeelefanten sogar um 67 Prozent eingebrochen.