Vor der Westküste Amerikas - dort, wo normalerweise kalte Auftriebsströmungen kühles Tiefenwasser an die Oberfläche bringen - hat sich ein gigantisches Wärmereservoir gebildet. Forscher sprechen von einer "marinen Hitzewelle", doch was sich derzeit im Zentralpazifik abspiele, übertreffe "alles bisher Beobachtete", warnt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.
Satellitendaten zeigen demnach Oberflächentemperaturen bis zu 5 Grad über dem langjährigen Mittel - ein Rekordwert. Diese warmen Wassermassen wirken in der Atmosphäre wie eine Energie-Turbine: Sie geben Hitze ab, verändern Luftdruckverteilungen und treiben die globalen Jetstreams an, erklärt Jung.
Damit rückt auch Europas Wetter in den Fokus. Ähnliche Muster wurden bereits bei den starken El-Niño-Jahren 1997 und 2015 beobachtet - doch diesmal ist die Lage komplexer. Während der klassische El Niño im Osten des Pazifiks langsam abklingt, hat sich im Westen eine zweite "Hitzeinsel" gebildet.
Meteorologen sprechen von einem "Warmwasser-Dipol", einer seltenen Kombination, die tropische Regenbänder verschiebt und den Jetstream über dem Atlantik beeinflusst.
Die pazifische "Wärmeblase" könnte das Wetter in Europa "massiv durcheinanderbringen", sagt Jung. Wenn der Jetstream stärker mäandriert, also wellenförmig verläuft, kann er abwechselnd milde Atlantikluft nach Norden oder arktische Kaltluft nach Süden drücken. Ergebnis: ein extrem wechselhafter, sturmreicher Winter.
Laut aktuellen NOAA-Simulationen könnte sich über dem Nordatlantik eine Art "Tiefdruck-Autobahn" bilden - mit einer Serie kräftiger Sturmtiefs, die vor allem die Westhälfte Europas treffen. Gleichzeitig deuten die Modelle auf außergewöhnlich nasse Phasen im Dezember und Januar hin. Zudem drohen kurze, aber heftige Kälteeinbrüche - ein Muster, das an die "Monsterwinter" von 2013 und 2018 erinnere.
Noch sei offen, wie stark die Fernwirkung bis Mitteleuropa reicht. Doch Meteorologen sind sich einig: Die ungewöhnlich warmen Meere verstärken die Atmosphären-Dynamik - und liefern mehr Wasserdampf, also mehr Energie für Stürme.
Das Resümee der aktuellen Entwicklungen in den Weltmeeren? "Wir sehen die Entstehung eines neuen Normalzustands", warnt Jung. "Wärmere Ozeane, dynamischere Strömungen, unberechenbarere Jahreszeiten - das wird uns künftig begleiten", so der Diplom-Meteorologe.