"Finde ich diskriminierend"

"Vorgabe der Stadt": Längere Wartezeit für NÖ-Patienten

"Heute" sprach mit Patienten, die in Wien lange auf OPs warten müssen. Eine Spitals-"Erstinformation" zeigt jetzt: Wiener werden in Wien bevorzugt.
Erich Wessely
22.03.2026, 06:00
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Seit Mitte 2025 habe sich die Situation verschärft, heißt es aus Wiener Spitalskreisen gegenüber "Heute". Es sei nicht ein Krankenhaus betroffen, sondern jedes Wiener Spital habe die Aufgabe, schärfer hinzuschauen, ob es sich nun um einen Patienten aus Wien oder aus einem anderen Bundesland handelt.

"Heute" sprach mit zwei betroffenen Patienten, einer Weinviertlerin und einem Mann aus dem Wiener Umland.

"Habe 33 Jahre lang in Wien gearbeitet"

"Ich habe 33 Jahre lang in Wien gearbeitet", sagt die Niederösterreicherin. In der Hüfte habe sie Schmerzen verspürt – sie benötige eine Hüftarthroskopie. "Ich fragte in einem Krankenhaus in Wien an", doch hier habe es geheißen, dass sie eineinhalb Jahre warten müsste: "Es hieß nur: Gastpatienten werden immer nach hinten gereiht. Ich finde das wirklich diskriminierend." Ihr Ausweg: Der Weg zum Privatarzt. Der Fall liegt beim nö. Patientenanwalt auf.

"Ich arbeite in Wien, zahle für Wien und wohne nur 500 Meter hinter der Wiener Stadtgrenze", sagt ein weiterer Betroffener. Auch hier hieß es nach einer Anfrage in einem anderen Wiener Spital: "Auf jeden Fall eine Wartezeit von über einem Jahr, Wiener werden bevorzugt", so der Betroffene. Auch seinen Arthroskopie-Eingriff wolle er privat durchführen lassen. Er wandte sich mit einem Beschwerdebrief an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ebenfalls an den nö. Patientenanwalt.

"Erstinformation" aus dem Spital

"Heute" liegt auch eine "Erstinformation" eines Patienten aus NÖ vor, der gerne eine Operation im Orthopädischen Spital Speising in Wien durchführen lassen wollte. Das Speisinger Spital gilt als eines der führenden Spitäler im Bereich der Orthopädie.

"Da wir verpflichtet sind ..."

Einen Strich durch die Rechnung machte ihm sein Wohnsitz: "Ihr Einweisungsschein ist bei uns eingelangt und Sie sind auf unserer Warteliste zur Operation vorgemerkt. (...) Da wir verpflichtet sind, in erster Linie die Versorgung der Wiener Bevölkerung sicherzustellen, müssen Sie mit einer längeren Wartezeit auf Ihre Operation rechnen. Bei generell langen Wartezeiten mit mehreren Monaten Wartezeit bitten wir Sie daher zur Behandlung eine wohnortnahe Klinik in Ihrem eigenen Bundesland auszuwählen, die eventuell auch kürzere Wartezeiten vorsieht. (...)", heißt es in dem Schreiben.

"Heute" fragte bei Dr. Pierre Saffarnia, er ist Leiter der Kommunikation und Pressesprecher des Speisinger Spitals, nach. Er bestätigt die Echtheit des Briefes: "Das bekommen Patienten, die keinen Hauptwohnsitz in Wien haben. Wir sind in der Vorgehensweise so verpflichtet seitens der Stadt Wien. Diese Vorgabe haben aber nicht nur wir, sondern auch die anderen Wiener Spitäler."

Klage gegen Spital

Medial große Aufmerksamkeit erlangte ein weiterer Fall: Einem Patienten aus dem Bezirk Mistelbach reichte es nämlich: Ein seit Monaten fixierter Termin für eine Hüft-OP im Spital Speising sei kurzfristig abgesagt worden. Der Grund laut dem Betroffenen: Sein Hauptwohnsitz in Niederösterreich. Das Land unterstützt nun seine Klage (liegt "Heute" vor) als Gastpatient gegen das Wiener Spital.

Frau mit Krebsverdacht

Ein weiterer Fall sorgte bei einer Betroffenen mit Krebsverdacht aus dem Bezirk Mistelbach für Verärgerung: Am 27. November 2025 hatte die 35-Jährige nach einem Termin bei ihrer Gynäkologin und der Übermittlung der Unterlagen beim Wiener AKH angerufen. "Nach 20 Minuten in der Warteschleife wurde mir gesagt, dass ich in Niederösterreich ein Spital aufsuchen soll", so Frau S. zu "Heute". Erst über eine Überweisung des Klinikums Mistelbach wurde die Biopsie im AKH durchgeführt – mehr dazu hier.

"Immer öfter werden unsere Landsleute in Wiener Spitälern abgewiesen – nur weil sie aus Niederösterreich sind", kritisierte VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner Mitte Februar bei der Ankündigung der Kampagne "Schluss mit Blockieren. Wien muss operieren!" Ein Argument der Landes-VP: NÖ verzichte jährlich auf 500 Mio. Euro, um die Behandlung der Landsleute sicherzustellen. Doch Wien sei hier säumig – Niederösterreicher in Wien oft Patienten Zweiter Klasse.

"Der Akutbereich bleibt unberührt"

"Der Akutbereich sowie der heikle Bereich der Organtransplantationen bleiben unberührt", hieß es Anfang März aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Peter Hacker (SPÖ) zum "Kurier". Klar aber sei, dass bei planbaren OPs Wiener gegenüber Patienten aus anderen Bundesländern bevorzugt werden.

Im September 2025 hatte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) gegenüber "Heute" erstmals Zahlen seitens der Stadt Wien vorgelegt: Mittlerweile sei es so, dass Wien 610 Millionen Euro im Jahr für Gastpatienten selbst finanzieren müsse. Das ist jener Betrag, der nach Abzug der Finanzausgleichsmittel immer noch übrigbleibt. "Jeder Mensch hat die beste Gesundheitsversorgung verdient, unabhängig von der Postleitzahl am Meldezettel", hatte Ludwig damals betont. Doch der Finanzausgleich trage diesem Umstand "leider nicht ausreichend Rechnung, sondern schafft künstliche Grenzen unter den Bundesländern." Wien will also für die Versorgung von Patienten, die nicht aus Wien kommen, mehr Geld.

{title && {title} } wes, {title && {title} } 22.03.2026, 06:00
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