Die fragile Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran ist vorbei. Nachdem Teheran am Sonntag und Montag mehrere Raketenwellen auf Israel gestartet hatte, griff die israelische Luftwaffe in der Nacht auf Montag zahlreiche Ziele im Iran an. Es war die erste direkte militärische Konfrontation der beiden Staaten seit Inkrafttreten der Waffenruhe im April.
Israels Militär (IDF) kündigte an, dass man sich auf "neue Kämpfe mit dem Iran" einstelle, die "mehrere Tage oder länger" dauern könnten, wie israelische Medien am Montag übereinstimmend berichteten.
Laut israelischen Streitkräften ist die jüngste Eskalation eine Fortsetzung der "Operation Roaring Lion/Epic Fury", die am 28. Februar gemeinsam mit dem US-Militär gestartet wurde, berichtet das Jewish News Syndicate (JNS) mit Verweis auf einen IDF-Beamten.
Demnach habe der Stabschef der israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Eyal Zamir, seit Sonntag dreimal mit dem Chef des US Central Command, Admiral Brad Cooper, telefoniert. Über Nacht hätten mehrere gemeinsame Lagebeurteilungen stattgefunden.
Bildungsminister Yoav Kisch kündigte Montagmittag an, dass sämtliche Schulen des Landes wegen erwarteter Raketenangriffe aus dem Iran und Jemen bis einschließlich Dienstag geschlossen bleiben, berichtete die "Jerusalem Post" online.
Der Iran brach am Sonntag die Waffenruhe mit Israel und feuerte erstmals seit rund zwei Monaten wieder Raketen auf den jüdischen Staat. Laut israelischen Angaben wurden 22 Raketen abgefangen. Teheran sprach von einem "Vergeltungsschlag" für israelische Angriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut.
Die Geschosse wurden in mehreren Angriffswellen gestartet. Zusätzlich schossen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen zwei Raketen in Richtung Israel.
Die israelische Armee erklärte, sämtliche iranischen Raketen seien abgefangen worden oder hätten ihr Ziel verfehlt. Auch eine der Huthi-Raketen wurde abgeschossen, die zweite erreichte israelisches Gebiet nicht.
Israel reagierte mit Luftangriffen auf mehrere Ziele im Iran. Getroffen worden sein sollen unter anderem Anlagen, die für das iranische Raketenprogramm von Bedeutung sind. Explosionen wurden aus Teheran, Isfahan, Tabriz und weiteren Städten gemeldet.
Besonders brisant: US-Präsident Donald Trump hatte Israel zuvor aufgefordert, auf weitere Vergeltungsschläge zu verzichten. Auch am Montag rief er beide Seiten dazu auf, die Angriffe sofort einzustellen und "aufzuhören zu schießen". Israel setzte die Angriffe dennoch fort.
Noch schwerer wiegt jedoch die Einschätzung des israelischen Militärs für die kommenden Tage. Ein Militärvertreter erklärte, die Armee bereite sich auf eine mehrtägige Kampagne vor. Je nach Entwicklung könne die aktuelle Auseinandersetzung auch deutlich länger andauern.
Damit droht der seit Anfang April weitgehend eingefrorene Krieg zwischen Israel und dem Iran wieder voll aufzuflammen. Seit dem Beginn des Konflikts Ende Februar hatten beide Seiten bereits mehrfach Raketen, Drohnen und Kampfflugzeuge eingesetzt.