Wann Geimpfte trotzdem testen sollten

Die PCR-Gurgeltests sind kostenlos - noch.
Die PCR-Gurgeltests sind kostenlos - noch.Lisa Leutner / AP / picturedesk.com
Ist man vollimmunisiert, muss man sich nicht mehr testen - so sieht es "3G" vor. Laut Experten gibt es allerdings Gründe, wann man es doch tun sollte.

Die so genannte "3G-Regel" als Zutrittsregel in Restaurants oder kulturelle Veranstaltungen, sieht vor, dass man entweder genesen, geimpft oder getestet sein muss. Diese Regel beinhaltet jedoch eine Lücke. Nämlich, dass Geimpfte keinen Test mehr vorweisen müssen. Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass es zu so genannten "Impfdurchbrüchen" kommen kann. Das bedeutet, dass man auch als Vollimmunisierter mit Coronainfiziert werden kann bzw. es an andere weitergeben kann. 

Ab 15. August gilt eine Impfung erst ab dem Tag der vollständigen Immunisierung (also ab dem 2. Stich; Ausnahme: der Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson) als Nachweis.

Für Getestete, Genesene und Johnson & Johnson-Geimpfte ändert sich nichts.

Ist das Gegenüber jedoch ungeimpft, reicht schon eine geringe Viruslast aus, da der Ungeimpfte - anders als der Geimpfte - keine Antikörpergegen SARS-CoV-2 im Blut hat. Daten aus Großbritannien, Israel und Kanada weisen darauf hin, dass infizierte Geimpfte in der Regel keine Symptome zeigen oder einen nur sehr milden Verlauf haben.

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Für das Testen von Geimpften spricht sich nun auch SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner aus. Am Donnerstag rief sie dazu auf, nach Erhalt der beiden Teil-Impfungen weiter zum Corona-Test zu gehen. Mehr dazu hier. Außerdem fordert sie eine 3G-Pflicht in Betrieben.

Test-Gründe für Geimpfte 

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau Universität Krems und Virologe Lukas Weseslindtner von der Medizinischen Universität Wien sind sich laut orf.at einig, dass es sehr wohl Gründe gibt, sich auch als Geimpfter zu testen. Etwa, wenn Symptome einer Covid-19-Erkrankung –  Halskratzen, Schnupfen oder Husten – auftreten, wenn Kontakt mit vulnerablen Personen bestehe oder man Kontakt mit einer infizierten Person hatte.

Regelmäßige österreichweite Tests seien aufgrund der Delta-Variante dennoch nicht notwendig, sagt Weseslindtner. Die "3G-Regel" reiche aus. "Bin ich geimpft, bin ich von den ‚3Gs‘ der sicherste", sagt er. Screening-Testungen - also regelmäßiges Testen - seien laut Weseslindtner in erster Linie für Personal im Altersheim, im Hospiz oder auf einer Immunsupprimierten-Station angebracht. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem sind auch trotz Impfung nicht hundertprozentig vor einer Erkrankung mit schwerem Verlauf geschützt.

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Die US-Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hatte die Empfehlungen aufgrund der Delta-Variante erst kürzlich aktualisiert: Auch vollständig Geimpften nun geraten, sich nach drei bis fünf Tagen testen zu lassen, wenn sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten – auch dann, wenn keine Symptome auftreten. Bis dahin sollten Vollimmunisierte in Innenräumen Masken tragen. Ist der Test negativ, ist auch keine Maske mehr notwendig.

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"Wenn alle die Impfung haben, brauchen wir nicht mehr testen gehen"

Weseslindtner betont, dass die Durchimpfungsrate immer noch nicht ausreichend sei, um der Delta-Variante im Herbst und Winter einen Riegel vorzuschieben. "Das Virus wird sich Stellen suchen, wo es Nicht-Immune findet, die dann doch wieder schwere Verläufe kriegen werden."

Hinsichtlich möglicher Impfdurchbrüche sagt Gartlehner: "Die Tatsache, die jetzt ständig diskutiert wird, dass auch Geimpfte erkranken können oder das Virus weitergeben können, ist natürlich in erster Linie ein Problem für die Ungeimpften".

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"Die Leute müssen verstehen: Je mehr Nicht-Immune es in der Bevölkerung gibt, desto länger müssen wir aufpassen. Wenn wir allen die Impfung geben können, (...), dann brauchen wir überhaupt nicht mehr testen, dann ist es vorbei", sagt auch Weseslindtner. Denn die wenigen restlichen Impfdurchbrüche würden nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen.

PCR- oder Antigen-Test?

Die Experten raten Vollimmunisierten, die Symptome aufweisen oder Kontakt zu Infizierten hatten, zum PCR-Test. Dieser ist sensitiver als der Antigen-Test, weshalb er auch bei Personen mit niedriger Viruslast anschlägt. Dadurch können eventuelle Impfdurchbrüche mit höherer Sicherheit gefunden werden. Das sei bei der besonders ansteckenden Delta-Variante entscheidend, so Gartlehner und Weseslindtner.

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In Deutschland müssen Ungeimpfte ab dem 11. Oktober ihre Coronavirus-Tests selbst bezahlen. In Österreich sprachen sich kürzlich einige ÖVP-geführte Bundesländer, die niederösterreichische Ärztekammer sowie Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres dafür aus. "Heute" hat berichtet. Das Gesundheitsministerium, das die Debatte in Gang gesetzt hatte, will die Lage im Herbst neu bewerten. Für symptomatische Personen und nicht impfbare Menschen sollen Testungen aber kostenlos bleiben.

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