Nach einem Sturz mit Hirnblutung wurde eine 69-jährige Pensionistin zunächst in Horn behandelt und stationär aufgenommen. Nach rund zehn Tagen konnte sie das Spital wieder verlassen. Doch ihr Zustand verschlechterte sich, ein MRT brachte eine klare Verschlimmerung ans Licht – über den Fall berichtet die "Kronen Zeitung".
Da es in Horn keine Neurochirurgie gibt, suchte die Frau selbst die Uni-Klinik St. Pölten auf. Dort fühlte sie sich jedoch alles andere als gut aufgehoben. Schon beim Empfang musste sie sich rechtfertigen. "Warum sind’s überhaupt nach St. Pölten gekommen?" bekam sie laut dem Bericht der Tageszeitung zu hören.
Die Situation spitzte sich weiter zu: Trotz ihres Wunsches nach fachärztlicher Abklärung wurde die ehemalige Krankenschwester laut eigener Schilderung abgewiesen. "Was Sie wollen, interessiert hier niemanden. Das wird Ihnen der Arzt erklären", soll eine Mitarbeiterin laut "Krone" zu ihr gesagt haben.
Auch das Gespräch mit einem Arzt verlief aus Sicht der Patientin unerquicklich. Beim Blick auf die Befunde habe er gefragt: "Was ist denn so Dringliches passiert, dass Sie gleich mit Blaulicht hier anreisen?" Später stellte er sie vor eine harte Entscheidung: "Entweder wir operieren sofort oder Sie fahren zur Beobachtung wieder heim", heißt es im Bericht der Tageszeitung.
Nach mehreren Stunden verließ die Frau völlig erschöpft das Spital. Am nächsten Tag fuhr sie auf Anraten einer Freundin nach Wien in die Klinik Landstraße. Dort wurde sie aufgenommen, untersucht und für eine dringend notwendige Operation vorbereitet, die bereits am Folgetag durchgeführt wurde.
"Ich bin Niederösterreicherin. Das spielte aber für das schnelle, hochkompetente Eingreifen des Wiener Gesundheitspersonals keine Rolle", sagt die 69-Jährige gegenüber der "Krone". Gleichzeitig zeigt sie sich über ihre Erfahrungen in St. Pölten verärgert.
Die Landesgesundheitsagentur betont gegenüber der Tageszeitung hingegen, dass "nach klaren medizinischen Prioritäten gearbeitet" werde. Patienten sollten vorab Notruf 144 oder die Hotline 1450 kontaktieren, um die passende Versorgung zu sichern. In St. Pölten habe sich laut Angaben kein akuter neurologischer Handlungsbedarf gezeigt, heißt es weiter.
Auch vonseiten der Klinik heißt es, dass sich Zustände rasch ändern können. "Verläufe können sich dynamisch verändern, sodass zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Maßnahmen notwendig sind", erklärt Neurochirurgie-Chef Christian Dorfer der "Krone".
Die Einrichtung kündigt an: "Wir nehmen die Rückmeldung ernst und werden den Vorfall intern aufarbeiten. Alle Patienten werden unabhängig vom Wohnort, der regionalen Herkunft und nach medizinischer Dringlichkeit behandelt."