Alleinerziehende Mutter

"Wasser für Tochter" – Mama soll jetzt 470 Euro zahlen

Nur fünf Sekunden hielt eine Mutter an einer Tankstelle in Wöllersdorf, um ihrer Tochter Wasser zu geben. Jetzt soll sie bis zu 470 Euro zahlen.
29.10.2026, 20:15
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Nur schnell der Tochter etwas zu trinken geben und plötzlich mehrere Hundert Euro zahlen! Louise* (Name von der Redaktion geändert) ist eine alleinerziehende Mutter und geriet wegen eines wenige Sekunden langen Stopps an der Tankstelle in Wöllersdorf (Niederösterreich) in einen Rechtsstreit. Mittlerweile soll sie sogar eine gerichtliche Ladung erhalten haben.

Im August war die Frau mit ihren beiden Kindern auf dem Weg zu den Myrafällen. Während der Fahrt bat ihre Tochter sie, die Wasserflasche zu öffnen. Die Mutter hielt deshalb kurz auf dem Gelände der mittlerweile geschlossenen Tankstelle in Wöllersdorf an.

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"Bin nicht einmal ausgestiegen"

"Das Ganze dauerte nicht einmal fünf Sekunden", erzählt die Betroffene gegenüber "Heute". Sie habe lediglich die Flasche geöffnet, sie ihrer Tochter gegeben und sei sofort weitergefahren.

Nicht einmal aus dem Auto sei sie ausgestiegen. Doch die kleine Gefälligkeit für ihre Tochter hatte ein teures Nachspiel: Einige Zeit später erhielt die Alleinerziehende eine Zahlungsaufforderung über rund 370 Euro.

Die Mutter wandte sich daraufhin an den Absender und schilderte ihre finanzielle Situation. Sie müsse ihre beiden Kinder alleine versorgen. Zunächst sei ihr angeboten worden, die Forderung in Raten zu begleichen.

Allerdings hätte sie dafür weitere 100 Euro bezahlen müssen. Insgesamt wären damit 470 Euro fällig geworden. Anfangs stimmte die Frau zu. Doch als immer mehr E-Mails eintrafen, wurde sie misstrauisch. Sie informierte sich über ähnliche Fälle und suchte rechtlichen Rat beim ÖAMTC.

"Dann sehen wir uns vor Gericht"

Schließlich erklärte die Mutter, dass sie die Ratenzahlung nicht mehr in Anspruch nehmen und die Forderung nicht begleichen werde. Die Antwort habe nicht lange auf sich warten lassen. "Na gut, dann sehen wir uns vor Gericht", soll ihr mitgeteilt worden sein.

Rund zehn Tage später erhielt sie nach eigenen Angaben tatsächlich eine Ladung vom Gericht in Wiener Neustadt. Zusätzlich seien weitere Zahlungsaufforderungen eines Inkassobüros eingetroffen. Für die Mutter ist die Situation mittlerweile eine große Belastung. Sie könne nicht verstehen, weshalb sie für einen Halt von wenigen Sekunden, bei dem sie lediglich ihrer Tochter Wasser geben wollte, so viel Geld bezahlen soll.

Jetzt läuft Verfahren gegen Inkassobüro

Der Fall ist längst kein Einzelfall. Wie "Heute" bereits berichtete, häufen sich die Beschwerden über hohe Geldforderungen nach kurzen Stopps auf dem Gelände der geschlossenen Tankstelle. Mittlerweile hat die Bezirkshauptmannschaft Mödling ein Gewerbeverfahren gegen das vom Tankstellenbesitzer eingeschaltete Inkassobüro eingeleitet – "Heute" berichtete.

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Die Gemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl wurde um Unterstützung gebeten. Betroffene können ihre Inkassorechnungen an die Gemeinde übermitteln und einer Weiterleitung an die Behörde zustimmen. Laut Gemeinde gingen nach einem entsprechenden Aufruf bereits rund 100 E-Mails von Betroffenen ein. Auch Bürgermeister Florian Pfaffelmaier erhält täglich mehrere Anfragen.

Besitzer verlor vor Gericht

Zusätzlich musste der Tankstellenbesitzer zuletzt eine gerichtliche Niederlage hinnehmen. Das Landesverwaltungsgericht wies seine Beschwerde gegen behördlich vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahmen ab. Der Betreiber muss diese nun innerhalb neuer Fristen umsetzen.

Das Urteil betrifft allerdings die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Gelände und nicht die umstrittenen Zahlungsforderungen. Für die alleinerziehende Mutter ist der Streit damit noch lange nicht vorbei. Sie wartet auf rechtliche Hilfe in ihrem Fall, möchte jetzt die Entwicklungen abwarten. Die geforderten mehreren Hundert Euro möchte sie vorerst nicht bezahlen.

red, 29.10.2026, 20:15
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