Der Wirbel um die geschlossene Tankstelle in Wöllersdorf (Bezirk Wiener Neustadt-Land) geht weiter! Autofahrer erhalten nach kurzen Stopps auf dem Gelände teils Geldforderungen über mehrere Hundert Euro – "Heute" berichtete.
Jetzt schalten sich die Behörden ein: Die Bezirkshauptmannschaft Mödling hat ein Gewerbeverfahren gegen das vom Tankstellenbesitzer eingeschaltete Inkassobüro eingeleitet.
Wie die Marktgemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl auf "Heute"-Anfrage bestätigt, hat die BH Mödling die Gemeinde um Unterstützung gebeten. Betroffene sollen ihre Inkassorechnungen an die Gemeinde schicken und der Weiterleitung an die Behörde zustimmen.
Vergangenen Freitag veröffentlichte die Gemeinde dazu einen Aufruf auf ihrer Website und auf Facebook. Die Resonanz ist enorm: Seither sind bereits 100 E-Mails von Betroffenen eingegangen.
Auch bei Bürgermeister Florian Pfaffelmaier steht das Telefon nicht still. Laut Gemeinde melden sich täglich fünf bis zehn Betroffene bei ihm. Rechtliche Auskünfte könne die Gemeinde allerdings nicht geben. Betroffenen wird geraten, sich an einen Anwalt oder die ÖAMTC-Rechtsberatung zu wenden.
Unterdessen musste der Tankstellenbesitzer eine Niederlage vor Gericht einstecken. Wie Bezirkshauptmann Markus Sauer im "Heute"-Gespräch erklärt, wurde der Tankstellenbetrieb bereits mit 1. Juli 2026 eingestellt. Danach hätte der Besitzer selbständig und zeitnah zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen umsetzen müssen.
Dazu zählen unter anderem die Entfernung der Tanks, Reinigungsmaßnahmen, Atteste sowie das Entfernen von Werbung. Auch Betonleitwände vor den Zufahrten hätte der Tankstellenbesitzer eigenständig aufstellen müssen. Doch der Besitzer kam seinen Verpflichtungen laut Sauer nicht rechtzeitig nach. Die Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt schrieb ihm deshalb die Maßnahmen per Bescheid vor. Dagegen legte er widerum Beschwerde ein.
Vergangene Woche wies das Landesverwaltungsgericht die Beschwerde dann ab und gab der Bezirkshauptmannschaft recht. Der Besitzer muss nun sämtliche vorgeschriebenen Maßnahmen innerhalb neuer Fristen umsetzen.
Für die Behörde ist die Causa außergewöhnlich. "Diese Tankstelle in Wöllersdorf ist ein großer Verwaltungsaufwand für die BH Wiener Neustadt. Das ist ein Unikat, so etwas habe ich noch nie erlebt!", sagt Sauer gegenüber "Heute". Trotz mehrfachen Versuchs der Kontaktaufnahme beim Tankstellenbesitzer und dessen früheren Anwalt – er soll sich Medienberichten zufolge vom Tankstellenbesitzer gelöst haben – war es "Heute" nicht möglich, beide zu erreichen und eine aktuelle Stellungnahme zu erhalten.
Für Aufsehen sorgten bereits mehrere Fälle von Autofahrern, die nach kurzen Stopps hohe Zahlungsaufforderungen erhielten. Ein 84-jähriger Motorradfahrer etwa sollte 374 Euro bezahlen, weil er vier Minuten auf dem Tankstellengelände mit seiner Frau telefonierte.
Ob die Geldforderungen im Einzelfall rechtlich durchsetzbar sind, bleibt offen. Das jüngste Gerichtsurteil betrifft jedenfalls die Sicherheitsmaßnahmen des Tankstellenbesitzers, nicht die Inkassoforderungen. Fest steht: Obwohl die Tankstelle seit Juli geschlossen ist, beschäftigt sie weiterhin Autofahrer, Behörden und Gerichte.