Seit 66 Jahren sitzt Alois K. (84) leidenschaftlich gerne auf dem Motorrad. Doch was der ehemalige Unternehmer aus dem Bezirk Mödling (NÖ) Ende August bei einer Tankstelle in Wöllersdorf (Wr. Neustadt-Land) erlebte, macht ihn fassungslos. Weil er dort nur vier Minuten stehen geblieben war, flatterte ihm wenig später eine Zahlungsaufforderung über satte 374 Euro ins Haus!
"Ich hatte mein Handy in meiner Brusttasche und habe gemerkt, dass ich angerufen werde", erzählt der Pensionist im "Heute"-Gespräch. Bei der Autobahnabfahrt Wöllersdorf in Richtung Gutenstein hielt er deshalb auf dem Gelände einer geschlossenen Tankstelle an.
"Ich bin nicht einmal vom Motorrad abgestiegen, habe meiner Frau am Telefon nur kurz gesagt, dass ich gleich zu Hause bin. Nach vier Minuten bin ich wieder weitergefahren", schildert der 84-Jährige.
„Wenn den Grundstücksbesitzer das so stört, dann soll er eine Kette anbringen. Ich finde, diese Sauerei muss beendet werden!“Alois K. (84)Motorradfahrer, Bezirk Mödling
Wenige Tage später kam Post vom Anwalt: 374 Euro wegen des Befahrens eines Privatgrundes, andernfalls drohe eine Unterlassungs- sowie Leistungsklage. "Ich zahle sicher keine so hohe Summe dafür, dass ich kurz meiner Frau am Telefon sage, dass es mir gut geht", ärgert sich Alois K.
Der Pensionist wandte sich daraufhin an die ÖAMTC-Rechtsberatung. Dort sei ihm geraten worden, die hohe Forderung nicht zu bezahlen. Dennoch wollte er die Sache gütlich lösen: "Ich habe dem Anwalt von der Tankstelle in Wöllersdorf handschriftlich meine Entschuldigung geschrieben und per Post verschickt und 70 Euro überwiesen, die meinen guten Willen zeigen sollten."
Doch die 70 Euro würden ihm einfach wieder zurücküberwiesen. Stattdessen folgten laut Alois K. einige Tage später eine zweite Mahnung und ein Schreiben eines Inkassobüros. "Das ist doch ein Wahnsinn, das gehört unterbunden! Ich zahle das sicher nicht", schimpft der Motorradfahrer. Er habe nach 15 Kilometern Fahrt lediglich an der ersten geeigneten Stelle angehalten. "Wenn den Grundstücksbesitzer das so stört, dann soll er eine Kette anbringen. Ich finde, diese Sauerei muss beendet werden!"
Wie "Heute" berichtete, war Alois K. nicht der erste Betroffene von dieser Tankstelle in Wöllersdorf. Auch Autofahrer Michael L. (Name geändert) erhielt nach einem kurzen Stopp auf demselben Gelände eine Forderung über rund 370 Euro. Später standen inklusive Inkassokosten rund 655 Euro im Raum.
Der Rechtsanwalt des Grundstückseigentümers, Oliver Luesgens, verteidigte damals schon im "Heute"-Gespräch das Vorgehen. Täglich würden 30 bis 60 Fahrzeuge unerlaubt auf das Grundstück fahren. Die Beschilderung sei eindeutig: "Die Schilder sieht ein Blinder mit Krückstock!"
Die geforderten rund 370 Euro seien lediglich ein außergerichtlicher Vorschlag. Wer vor Gericht dagegen ankämpfe, müsse laut Anwalt mit Kosten zwischen 600 und 900 Euro rechnen. Eine Absperrung sei diskutiert, aber bisher wegen Kosten, Wartung und möglicher Schäden nicht umgesetzt worden. "In Wahrheit hat keiner etwas auf dem Privatgrund zu suchen", betont Luesgens. Alois K. bleibt dennoch stur: Die 374 Euro will er weiterhin nicht bezahlen.