Nächtlicher Polizeieinsatz in Hof am Leithagebirge (Bezirk Bruck an der Leitha)! Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) entdeckten am vergangenen Wochenende rund 100 Fasane, die in engen Kisten auf einem Anhänger untergebracht waren. Die Tiere sollten laut VGT bei zwei geplanten Treibjagden im benachbarten Burgenland zum Abschuss freigegeben werden. Doch daraus wurde nichts.
Nach einem Hinweis einer Jägerin rückten sieben Tierschützer in der Nacht aus. Auf einem Firmengelände in Hof am Leithagebirge stießen sie auf die eingesperrten Vögel. Laut ihren Beobachtungen befanden sich die Fasane bereits seit mindestens zehn Stunden in den engen Transportkisten.
Gegen 4 Uhr früh alarmierte VGT-Obmann Martin Balluch die Polizei. Die Beamten weckten den Jagdleiter, befragten ihn und kontrollierten die Tiere. Laut VGT behauptete der Mann zunächst, nichts von den Fasanen zu wissen. Später habe er jedoch eingeräumt, die Tiere im Burgenland aussetzen zu wollen. Nur vier Stunden später sollte dort die erste Treibjagd stattfinden, eine weitere war für den folgenden Tag geplant.
Die Fasane sollen aus Ungarn stammen. Der Jagdleiter habe gegenüber der Polizei auch zugegeben, die Vögel ohne entsprechende Papiere bezogen zu haben, berichtet der Tierschutzverein.
Besonders brisant: Im Burgenland ist das Aussetzen gezüchteter Fasane für die Jagd seit 2022 verboten. Trotzdem sollten die Tiere laut VGT in einem Revier zwischen Kaisersteinbruch und Wilfleinsdorf (Bezirk Neusiedl am See) freigelassen werden.
Der Verein sieht mehrere mögliche Gesetzesverstöße, darunter Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, gegen Tiertransportbestimmungen sowie gegen Vorschriften zur Einfuhr von Tieren aus dem Ausland. Ob tatsächlich strafbare Handlungen vorliegen, müssen die zuständigen Behörden klären.
VGT-Obmann Martin Balluch, der selbst vor Ort war, zeigt sich empört: "Dieser Fall ist in mehrfacher Hinsicht ein echter Skandal." Er kritisiert, dass gezüchtete Fasane aus Ungarn importiert werden, um sie kurz vor einer Jagd auszusetzen. Die Tiere seien laut Balluch an das Fliegen kaum gewöhnt und dadurch besonders leichte Ziele.
"Er hat einfach gehofft, nicht erwischt zu werden", wirft Balluch dem Jagdleiter vor. Der Tierschützer fordert Konsequenzen und hofft, dass dem Mann der Jagdschein entzogen wird.
Die Polizei verpflichtete den Jagdleiter laut VGT, die Tiere unverzüglich zum Verkäufer nach Ungarn zurückzubringen. Da der Mann weder über eine Fasanerie noch über eine geeignete Voliere verfügt habe, sei eine Unterbringung vor Ort nicht möglich gewesen.
Wenige Stunden später waren die Fasane wieder auf dem Weg nach Ungarn, berichtet der VGT. Die für Samstag und Sonntag geplanten Jagden wurden abgesagt. Für die rund 100 Vögel endete der Ausflug nach Österreich damit ohne den geplanten Abschuss.