Ein spektakulärer Ferrari-Coup beschäftigt am Mittwoch (28. Oktober) das Landesgericht Wiener Neustadt. Drei Männer müssen sich wegen gewerbsmäßig schweren Diebstahls durch Einbruch und weiterer Delikte vor einem Schöffengericht verantworten.
Im Mittelpunkt steht ein feuerroter Ferrari 348 TB, der im April 2025 aus einer Tiefgarage in Wiener Neudorf (Bezirk Mödling) gestohlen wurde. Der Luxusflitzer gehörte zuvor 25 Jahre lang der Familie des im August 2024 verstorbenen Baumeisters Richard Lugner (†91).
Der Ferrari, Baujahr 1993, war erst kurz vor dem Diebstahl von Roman G. erworben worden. Der Sportwagen war zuvor über zwei Jahrzehnte im Besitz der Familie Lugner und auf Richard Lugners Ex-Frau Christine angemeldet gewesen. Besonders Sohn Alexander hatte sich um das Fahrzeug gekümmert. Der rote Flitzer war laut Besitzer bestens gepflegt und hatte zuletzt lediglich 58.000 Kilometer auf dem Tacho.
"Es war ein echtes Traumauto, das ich mir von den Fingern abgespart habe", hatte Roman G. nach dem Diebstahl im Gespräch mit "Heute" erzählt. Den Wert des Wagens schätzte er auf rund 100.000 Euro.
Der Coup ereignete sich vermutlich in der Nacht auf den 25. April 2025. In der Tiefgarage einer Wohnhausanlage in Wiener Neudorf hatte der "Mailänder Sportwagenclub" insgesamt 35 Stellplätze angemietet. Drei Clubmitglieder hatten dort ihre Ferraris geparkt.
Laut Anklage sollen zwei der Angeklagten in die Tiefgarage eingebrochen sein. Während der rote Ferrari 348 TB tatsächlich verschwand, blieb es bei zwei weiteren Ferraris beim Diebstahlversuch.
Besonders brisant: Die mutmaßlichen Täter dürften den Luxuswagen schon lange vor dem Einbruch ausgekundschaftet haben. Roman G. (53), der am Mittwoch als Zeuge vor Gericht geladen ist, sprach am Dienstag erneut mit "Heute" über den Fall.
"Am Handy des Erstangeklagten wurden offenbar Fotos meines Ferraris gefunden", berichtet der 53-Jährige. Die Aufnahmen sollen bereits rund ein Jahr vor dem eigentlichen Coup entstanden sein.
Das würde darauf hindeuten, dass der Diebstahl nicht spontan erfolgte, sondern bereits längere Zeit vorbereitet worden sein könnte.
Auch über den Verbleib seines geliebten Sportwagens gibt es neue Details. Der Ferrari soll nach dem Diebstahl in der Slowakei gestanden sein – und zwar noch mit dem österreichischen Kennzeichen von Roman G.
Doch zurückbekommen hat der 53-Jährige seinen Traumwagen bis heute nicht. "Leider tauchte er bis heute nicht auf", seufzt er gegenüber "Heute". Mit seiner Versicherung stehe er im Austausch. Sollte der Wagen aber nicht mehr auftauchen, würde er dennoch wohl auf einem beträchtlichen Schaden sitzen bleiben.
Die Anklage umfasst allerdings noch weitere mutmaßliche Straftaten. Zwei der Beschuldigten sollen auch drei Motorräder in Schwechat gestohlen haben. Bei einem weiteren Motorrad blieb es laut Anklage beim Versuch.
Zudem sollen der Erstangeklagte und der Drittangeklagte versucht haben, durch das Aufschneiden von Blechwänden bei Transportboxen und einer Lagerhalle an weitere Motorräder zu gelangen.
Allein der Erstangeklagte soll laut Staatsanwaltschaft einen Schaden von insgesamt rund 300.000 Euro verursacht haben.
2025 sorgte übrigens auch ein anderer Ferrari, ein 296 GTB Assetto-Fiorano-Edition (830 PS), für Aufregung – ein Wiener Unternehmer hatte den Ferrari auf seinem Balkon geparkt, später musste er wieder runter gehoben werden.
Der Prozess gegen das Trio beginnt am Mittwoch um 9.45 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Wiener Neustadt. Für die Verhandlung sind mehrere Stunden angesetzt.
Roman G. wird dabei als Zeuge aussagen. Für ihn geht es auch darum, mehr über die Hintergründe des Diebstahls und den Verbleib seines Ferraris zu erfahren.
Die drei Angeklagten befinden sich in Haft. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.