Tierisch genug Dramen

Wildtiere brauchen Pause! Keine Jagd nach Rekordhitze

Nach Rekordhitze und dramatischem Anstieg geschwächter Wildtiere fordern Tierschutzorganisationen einen jagdfreien Herbst in Österreich.
12.10.2026, 12:21
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Nach dem heißesten Sommer in der Geschichte Österreichs schlagen Tierschutz Austria, der Wiener Tierschutzverein und der VGT Alarm. Sie fordern, dass die Niederwildjagd heuer ausgesetzt wird. Die Wildtiere seien durch die Rekordhitze und Trockenheit besonders geschwächt und bräuchten dringend eine Pause von zusätzlichem Stress.

Der Sommer 2026 hat mit 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg einen neuen Temperaturrekord aufgestellt. Im ganzen Land gab es um ein Drittel weniger Regen als sonst. Die AGES schätzt, dass allein im Zeitraum Juni bis August 995 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben sind – so viele wie noch nie seit 2017. Für Wildtiere gibt es zwar keine genauen Zahlen, aber der Deutsche Tierschutzbund und der WWF Österreich sprechen von einer katastrophalen Lage. Viele Wasserstellen sind ausgetrocknet, die Tiere finden kaum noch Wasser.

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Das spürt man auch im Tierschutzhaus Vösendorf. Dort wurden im Juni und Juli 1.955 Wildtiere aufgenommen – mehr als im ganzen Jahr 2023. Bis Mitte August waren es schon 3.977 Tiere. An besonders heißen Tagen kamen innerhalb von zwei Tagen bis zu 250 Tiere ins Tierschutzhaus.

Pause dringend notwendig

Die Tierschutzorganisationen warnen: Gerade jetzt wäre es ein Fehler, die Jagd zuzulassen. Wildtiere wie Fasane, Rebhühner, Feldhasen und Wildenten sind durch die Hitze und Dürre ohnehin schon geschwächt. Treibjagden setzen sie noch mehr unter Stress. Besonders schlimm: Auch die letzten widerstandsfähigen Tiere, die für die Zukunft der Arten wichtig wären, könnten abgeschossen werden.

Die Initiatoren fordern daher, dass die Jagd auf diese Tiere zumindest bis zum Vorliegen neuer Zahlen im nächsten Jahr und nach den Frühjahrszählungen ausgesetzt wird. Auch auf Treibjagden soll verzichtet werden.

„Die Jagdsaison hat begonnen, ohne dass jemand sagen kann, wie groß die Restbestände nach Rekordhitze, Dürre und Seuche tatsächlich noch sind. Deshalb starten wir die Initiative für einen jagdfreien Herbst.“
Dr.in Madeleine Petrovic Präsidentin, Tierschutz Austria/Wiener Tierschutzverein
„Solange keine validen Zahlen auf dem Tisch liegen, ist die Bejagung dieser Tiere nicht begründbar. Der VGT wird auch im Herbst wieder aktiv sein, um Jagden auf Feldhasen, Fasane und Rebhühner zu dokumentieren“
Georg Prinz Obmann Stellvertreter, VGT

Laut WWF-Bericht sind die Wildtierbestände weltweit weiterhin dramatisch rückläufig. Zwischen 1970 und 2022 sind die erfassten Populationen an Land im Schnitt um 63 Prozent zurückgegangen, im Süßwasser sogar um 85 Prozent. Der Verlust von Lebensräumen – etwa durch die Vernichtung von rund 420 Millionen Hektar Wald zwischen 1990 und 2020 – ist einer der Hauptgründe dafür.

red, 12.10.2026, 12:21