Rätsel gelöst

Nach 100 Jahren: Forscher entdecken neue Pinguinart

Auf abgelegenen Inseln im Indischen Ozean haben Forscher eine neue Pinguinart entdeckt. Genetische Daten beenden einen Streit.
Heute Tierisch
30.09.2026, 16:01
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Mehr als ein Jahrhundert lang rätselte die Wissenschaft über die genaue Einteilung der Eselspinguine. Nun ist die Debatte offenbar geklärt: Auf den abgelegenen Kerguelen-Inseln im südlichen Indischen Ozean wurde eine bislang unbekannte Art identifiziert.

Das Genom liefert die Antwort

Was man früher für eine einzige, weitverbreitete Eselspinguinart hielt, umfasst tatsächlich vier verschiedene Arten. Eine davon ist eine bisher nicht anerkannte Art. Das zeigen neue genetische Untersuchungen. Drei bislang als Unterarten geführte Populationen erhalten den Artstatus. Die Pinguine von den Kerguelen-Inseln werden erstmals als eigene Art beschrieben. Die Tiere tragen den wissenschaftlichen Namen Pygoscelis kerguelensis.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen
Der Südöstliche Eselspinguin ist damit die erste neue Pinguinart, die seit mehr als 100 Jahren wissenschaftlich beschrieben wurde.
APA-Images / Action Press / Antoine Lamielle

An der Studie waren Wissenschaftler aus Chile und der University of California in den USA beteiligt. Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal "Communications Biology". Für die Analyse untersuchten die Forscher das Erbgut von 64 Pinguinen aus zehn Kolonien und deckten damit erstmals nahezu das gesamte Verbreitungsgebiet der Tiere ab.

Kaum zu unterscheiden – genetisch aber weit auseinander

Auf den ersten Blick sehen sich die Pinguine verblüffend ähnlich: schwarzer Rücken, weißer Bauch, orangefarbener Schnabel. Doch genetisch unterscheiden sich die Populationen deutlich. Auch bei Größe und Verhalten fanden die Forscher Unterschiede. Die Tiere haben sich offenbar über einen Zeitraum von rund 300.000 bis 500.000 Jahren an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst.

Dabei dürften spezielle genetische Eigenschaften eine Rolle spielen – etwa bei der Anpassung an Kälte, beim Tauchen und bei der Nahrungssuche.

Inseln wurden zum evolutionären Labor

Die räumliche Isolation der Pinguine dürfte die Entstehung der verschiedenen Arten begünstigt haben. Die Populationen leben auf weit voneinander entfernten Inseln und in unterschiedlichen Regionen der Antarktis.

Die Art Pygoscelis taeniata ist auf den Falklandinseln und in Südamerika heimisch. Pygoscelis papua lebt auf der Antarktischen Halbinsel und an der Küste der Antarktis. Pygoscelis ellsworthi kommt unter anderem auf Südgeorgien vor. Die neu beschriebene Art Pygoscelis kerguelensis lebt auf den Kerguelen-Inseln.

Die Karte zeigt, welche Eselspinguine wo leben.
Norwegian Polar Institute

Frühere wissenschaftliche Untersuchungen waren bei der Einteilung der Eselspinguine zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Teilweise war sogar von bis zu sechs Unterarten die Rede.

Für die Pinguine kommt die Erkenntnis spät

Die neue Einteilung ist nicht nur für die Forschung von Bedeutung. Sie könnte auch Konsequenzen für den Artenschutz haben. Drei der vier Arten sind durch die Folgen des Klimawandels und die Erwärmung der Meere bedroht. Für sie erwarten Klimamodelle bis 2050 einen erheblichen Verlust geeigneter Lebensräume.

Besonders problematisch ist die Situation in der subantarktischen Region. Die Populationen leben dort auf voneinander isolierten Inseln. Wenn sich die Bedingungen verändern, können die Tiere nicht ohne Weiteres in andere Gebiete ausweichen.

Eine der vier Arten könnte dagegen von den Veränderungen profitieren. Für die Population auf der Antarktischen Halbinsel und auf Südgeorgien könnte sich das Verbreitungsgebiet künftig sogar vergrößern.

Neue Daten auch für den Kampf gegen Krankheiten

Die genetischen Daten sollen künftig nicht nur dabei helfen, die Evolution der Pinguine besser zu verstehen. Sie könnten auch für Untersuchungen zu Vogelkrankheiten genutzt werden. Dazu zählt etwa die Vogelgrippe, die weltweit zahlreiche Wild- und Hausvogelarten bedroht und auch Pinguinpopulationen betreffen kann.

red,30.09.2026, 16:01