Das Handy von Kerim Buser läutet ununterbrochen. "Ein Kunde will Fiji-Wasser", erzählt er, während er schon den nächsten Anruf tätigt, um das begehrte Wasser aufzutreiben. Der Chef von "Emotional Taste" steht in der Küche eines Lokals direkt an der Davoser Promenade. Wie "20 Minuten" berichtet, hat sich während des WEFs auch hier eine Firma eingemietet. Heute gibt es gemeinsam mit indischen Köchen ein sogenanntes Flying Dinner.
Kleine Teller mit indischen Spezialitäten verlassen laufend die Küche und kommen nach wenigen Minuten leer zurück. Vier Köche aus London sorgen für Nachschub und perfekte Präsentation. "Das Essen macht zwar am meisten Arbeit, ist aber der kleinste Posten auf der Rechnung", verrät Buser. Die eigentlichen Kosten entstehen bei Transport, Personal und der ganzen Logistik.
Trotz 15 Jahren Erfahrung bleibt das WEF eine Herausforderung für Buser. Heuer beliefert seine Firma gleich drei Wohnungen und vier Events mit Speisen – eine Woche, die durchgeplant sein muss. "Ein normaler Arbeitstag dauert locker 18 Stunden." Auch nachts geht es weiter: "Unser Fahrer bringt Lebensmittel – auch Sonderwünsche – teilweise mitten in der Nacht. Während des Forums in Davos kommt man so einfach schneller voran."
Die Pläne der Gäste ändern sich ständig. Manche sagen kurzfristig ab oder wünschen anderes Essen. "Mühsam, aber normal", sagt Buser. "Jedes Jahr hoffen wir, dass es weniger Hin und Her gibt – und jedes Jahr ist es dann doch wieder gleich." Diesmal kommt noch die Unsicherheit rund um den US-Präsidenten Donald Trump dazu. "Einige Kunden wollten eigentlich schon am Mittwoch abreisen. Ich vermute, wegen Trump bleiben sie nun doch länger. Wir bleiben einfach bereit."
Das Handy läutet wieder. "Du hast auch kein Fiji-Wasser? Okay, danke." Um die Wünsche zu erfüllen, ruft Buser alle seine Kontakte an. Solche Anfragen gehören zum WEF wie der Schnee zum Winter. "Ein Kunde hat einmal sogar sein eigenes Fleisch importiert, das wir dann zubereiten mussten", erinnert er sich. Konkurrenzdenken bringt hier niemanden weiter. "Ohne ein gutes Netzwerk geht gar nichts."
Jetzt gehen gefüllte Teigtaschen aus der Küche. "Eine indische Wellington-Kreation", erklärt Sriram Aylur, der eigens aus London angereiste Michelin-Koch. "Eine ereignisreiche Woche – sehr viel Arbeit, aber auch spannend, so viele Leute kennenzulernen." Für ihn und Buser zählt am Ende nur eines: zufriedene Gäste. "Wenn sich ein Gast etwas wünscht, soll er es auch bekommen."
Gerade im Jänner, wenn wenig los ist, ist das WEF-Geschäft für Buser besonders wichtig. Danach gibt es erstmals einen Monat Pause. Doch noch ist es nicht so weit, das Handy läutet schon wieder. "Koscher? Das wird schwierig." Ein Kollege bittet um Hilfe. "Ich kenn da jemanden ...", meint Buser. Ob er das Fiji-Wasser noch auftreiben kann, weiß er nicht. "Manchmal braucht es zehn Anrufe – wenn es dann klappt, macht mich das stolz."