Der Eurovision Song Contest verliert erneut einen seiner erfolgreichsten Teilnehmer. Irland wird beim ESC 2027 in Burgas nicht antreten. Das gab der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ am Donnerstag offiziell bekannt.
Damit bleibt der Sender bei seiner Linie aus dem Vorjahr. Bereits den Eurovision Song Contest 2026 in Wien hatte Irland aufgrund der Teilnahme Israels boykottiert. Auch damals wurde der Wettbewerb nicht im irischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen.
Und daran wird sich 2027 nichts ändern.
"RTÉs Position bezüglich der Teilnahme am Eurovision Song Contest bleibt unverändert", stellt der Sender klar. Man werde weder am Wettbewerb teilnehmen noch die Shows übertragen.
Als Begründung verweist RTÉ auf die weiterhin dramatische Situation im Gazastreifen. Angesichts der anhaltenden Todesfälle und der humanitären Krise könne eine Teilnahme Irlands aus Sicht des Senders nicht gerechtfertigt werden. Zudem zeigt sich RTÉ "zutiefst besorgt" darüber, dass internationalen Journalisten weiterhin kein unabhängiger Zugang zum Gebiet gewährt werde.
Damit verpasst Irland erstmals in seiner ESC-Geschichte zwei Ausgaben hintereinander. Das ist gerade bei diesem Land bemerkenswert: Irland zählt gemeinsam mit Schweden mit jeweils sieben Siegen zu den erfolgreichsten Nationen der Wettbewerbsgeschichte. Zwischen 1992 und 1994 gelang den Iren sogar das bis heute einzigartige Kunststück, den ESC drei Jahre in Folge zu gewinnen. Der letzte Sieg liegt allerdings bereits 30 Jahre zurück: 1996 gewann Eimear Quinn mit "The Voice".
2026 war Irland mit seinem Protest keineswegs alleine. Auch Spanien, die Niederlande, Island und Slowenien blieben dem Wettbewerb in Wien fern, nachdem die EBU die weitere Teilnahme des israelischen Senders KAN ermöglicht hatte.
Für 2027 zeichnet sich damit erneut eine schwierige Situation ab. Erst vor wenigen Wochen erklärte auch der niederländische Sender AVROTROS, nicht nach Burgas fahren zu wollen. Dort gibt es allerdings noch ein Hintertürchen: Die Verantwortung wurde an die Dachorganisation NPO zurückgegeben, die theoretisch einen anderen niederländischen Sender mit der Teilnahme beauftragen könnte.
Bei Irland klingt die Ansage hingegen ziemlich eindeutig: RTÉ fährt nicht nach Bulgarien und zeigt seinen Zuschauern auch die drei ESC-Shows nicht.
ESC-Direktor Martin Green hatte die Entscheidung der Niederländer zuletzt bedauert, gleichzeitig aber respektiert. Nun verliert der Song Contest mit Irland vorerst einen weiteren seiner traditionsreichsten Teilnehmer.
Am 11. und 13. Mai 2027 steigen die beiden Halbfinals in Burgas, am 15. Mai folgt das große Finale. Wer dort tatsächlich auf der Bühne stehen wird, bleibt weiterhin spannend – die endgültige Teilnehmerliste soll erst später veröffentlicht werden.