Österreichs Winzer bekommen die extreme Trockenheit heuer mit voller Wucht zu spüren. Die erwartete Weinernte fällt so gering aus wie zuletzt im Jahr 2010. Gerechnet wird österreichweit nur noch mit rund 1,7 Millionen Hektolitern Wein.
Damit liegt die Menge um 28 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden noch rund 2,6 Millionen Hektoliter eingefahren – beinahe eine Rekordernte. Im Vergleich zum Vorjahr soll heuer sogar ein Drittel weniger Wein geerntet werden.
"Die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren sind vielfach sehr klein", erklärte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager am Donnerstag in Wien. Das berichtet die "APA".
Auch die Hitze brachte den üblichen Zeitplan ordentlich durcheinander. Die Weinernte habe heuer "außergewöhnlich früh begonnen", so Schmuckenschlager. Viele Weinbauern befinden sich bereits mitten in der Lese.
In Niederösterreich, der Steiermark und Wien startete die Hauptlese schon Anfang September. Wie dramatisch die Situation teilweise ist, zeigte sich bereits Ende August im Weinviertel. "Heute" berichtete.
Winzer Johannes Zillinger aus Velm-Götzendorf im Bezirk Gänserndorf berichtete von völlig ausgetrockneten Böden. Von Ende Juni bis Ende August sei in seiner Region praktisch kein nennenswerter Regen gefallen.
"In meinem Weingarten schaut es aus wie in der afrikanischen Savanne", schilderte Zillinger die Lage. Selbst seine Schweine, die in den Weingärten gehalten werden, mussten über den Sommer erstmals zugefüttert werden. Trockenes Gras sei praktisch das Einzige gewesen, das noch übrig blieb.
Zillinger begann bereits am 24. August mit der Ernte mehrerer Sorten – rund eine Woche früher als gewöhnlich.
Der Wassermangel ist auch direkt an den Trauben sichtbar. Laut Zillinger hatten die Beeren teilweise nur etwa die halbe Größe wie in normalen Jahren. Entsprechend gering fiel bei ihm die Ausbeute aus.
Von einem Hektar Weingarten gewann er heuer nach eigenen Angaben nur rund 1.000 Liter Saft. Beim Sauvignon Blanc seien auf derselben Fläche normalerweise rund 3.500 Liter möglich. Der Boden sei stellenweise bis in einen Meter Tiefe ausgetrocknet.
Diese Beobachtungen decken sich mit der nun vorgelegten Ernteprognose. Besonders der Osten Österreichs wurde von Hitze und Trockenheit getroffen. Im Weinviertel rechnen die Winzer mit einem Mengenrückgang von bis zu 40 Prozent.
Die kleine Ernte könnte aber zumindest geschmacklich eine positive Seite haben. "Kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen", erklärt Schmuckenschlager. Er erwartet deshalb "besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine".
Auch Zillinger beobachtete schon zu Beginn der Lese ungewöhnlich hohe Zuckerwerte. Zuckergradation und Säuregehalt hätten bereits Ende August Werte erreicht, die sonst erst in der zweiten Septemberwoche üblich seien. Dadurch könne auch der Alkoholgehalt besonders rasch steigen.