Bei den massiven Schülerprotesten in Frankreich zeichnet sich ein Rückgang der Schulblockaden ab. Am Donnerstag (8. Oktober) waren laut Bildungsministerium noch 224 Schulen vollständig und weitere 151 teilweise blockiert. Das sind rund 30 Prozent weniger betroffene Einrichtungen als am Vortag. Landesweit waren 94 Prozent der Schulen zumindest teilweise geöffnet.
Bereits am Mittwoch hatte Innenminister Laurent Nuñez eine wichtige Entscheidung getroffen: Die Polizei darf bei den Schülerprotesten vorerst keine Blendknallgranaten mehr einsetzen. Hintergrund ist ein schwerer Vorfall am Montag, bei dem ein 15-Jähriger im nordfranzösischen Lens durch eine Polizeigranate eine Hand verlor.
Die Proteste werden seit Tagen von teils gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei begleitet. Seit Beginn der Demonstrationen wurden mehr als 6.600 Menschen festgenommen, darunter zahlreiche Minderjährige. Auch Hunderte Verletzte wurden gemeldet.
Der Innenminister setzte den Einsatz der Blendknallgranaten vorläufig aus, bis die genauen Umstände des Vorfalls in Lens geklärt sind. Andere Polizeimittel bleiben allerdings erlaubt. Auch am Donnerstag wurde bei Demonstrationen in Paris wieder Tränengas eingesetzt.
Die Proteste begannen Mitte September an einer Schule in Créteil bei Paris. Dort wehrten sich Lehrer gegen Personalmangel, Schüler solidarisierten sich mit ihnen. Innerhalb weniger Wochen breitete sich die Bewegung im ganzen Land aus. Mittlerweile beteiligen sich auch Studenten und Lehrer.
Die Jugendlichen fordern mehr Geld für das Bildungswesen, zusätzliche Lehrer und die Sanierung maroder Schulgebäude. Wie groß der Unmut ist, zeigt sich am Pariser Lycée Hélène Boucher. Dort blockierten Schüler am Donnerstag mit Mülltonnen und Fahrrädern eine Straße.
"Wir fühlen uns ausgeschlossen und im Stich gelassen", erklärte die 17-jährige Bérénice gegenüber der Schweizer Zeitung "20 Minuten". Sie berichtet von kaputten Computern und unbeheizten Räumen. Im Winter habe ihre Schule wegen der Kälte sogar mehrfach am Nachmittag geschlossen werden müssen.
Ob die Protestbewegung tatsächlich an Schwung verliert, ist trotz der sinkenden Zahl blockierter Schulen noch unklar. Die Unzufriedenheit mit den Zuständen im Bildungswesen hält an.
Für Donnerstagnachmittag haben Schüler- und Studentenorganisationen eine weitere Großdemonstration auf dem Pariser Place de la Bastille angekündigt. Auch an anderen Orten sollen die Proteste weitergehen.