Ein wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesuchter syrischer Ex-General soll im Libanon mit Unterstützung der USA leben. Bassam al-Hassan soll dort Schutz und finanzielle Hilfe erhalten – im Gegenzug für Informationen über den entführten US-Journalisten Austin Tice und weitere Geheimdienstinformationen. Das berichtet die BBC nach gemeinsamen Recherchen mit dem US-Sender NPR.
Hassan war ein hochrangiger Berater des früheren syrischen Machthabers Bashar al-Assad und beaufsichtigte das Chemiewaffenprogramm des Landes. Nach dem Zusammenbruch des Regimes Ende 2024 soll er zunächst in den Iran geflohen sein. Später sei über seine Übersiedlung in den Libanon verhandelt worden.
Die Recherche stützt sich unter anderem auf eine detaillierte Aufzeichnung eines Treffens zwischen Hassan, Vertretern von FBI und CIA sowie libanesischen Sicherheitsbeamten. Darin werden ihm Aufenthalt, Schutz und Unterstützung für seinen Lebensunterhalt angeboten.
Informanten, die mit der Vereinbarung vertraut sind, bestätigten diese Darstellung. US-Gelder sollen über einen Mittelsmann an Hassan fließen, was die Zahlungen schwerer nachvollziehbar mache. Der frühere General steht selbst auf einer US-Sanktionsliste. Die Vereinbarung soll im Frühjahr 2025 zustande gekommen sein.
Vertreter der neuen syrischen Regierung erklärten, sie wollten Hassan zurückholen und vor Gericht stellen. Die US-Behörden wollten ihn jedoch im Libanon behalten.
Austin Tice wurde 2012 in Syrien entführt. Laut der Recherche gehörte Hassan zur Befehlskette hinter der geplanten Entführungsaktion.
Im vergangenen Jahr behauptete Hassan gegenüber US-Ermittlern und CNN-Reportern, die ihn in Beirut aufspüren konnten, Tice sei auf Assads Befehl hingerichtet worden.
Mehrere Personen mit Kenntnis der Ermittlungen bezweifeln jedoch Details seiner Darstellung. Tices Schicksal ist bislang ungeklärt.
Hassan nannte auch einen möglichen Fundort für die sterblichen Überreste des Journalisten. Bei einer Suche wurde laut mehreren Informanten nichts gefunden. Allerdings ist unklar, wie gründlich gesucht wurde: Zwei Quellen erklärten, US-Behörden hätten die Grabungen vorzeitig beendet – möglicherweise aus Sicherheitsgründen.
Ein Sprecher der Familie Tice reagierte empört auf die Recherche. Sollten die Angaben stimmen, sei es unerträglich, dass Steuergeld einem Mann ein bequemes Leben ermögliche, der mit Chemiewaffeneinsätzen gegen syrische Zivilisten in Verbindung stehe.
"Die Syrer verdienen Gerechtigkeit, und er sollte zurückgebracht werden, um sich vor Gericht zu verantworten", erklärte Sprecher Phil Elwood.
Das FBI lehnte eine Stellungnahme zu den konkreten Rechercheergebnissen ab und verwies auf eine frühere Erklärung: Ziel bleibe, den Fall Tice aufzuklären und seine Rückkehr zu erreichen. CIA und die angefragte libanesische Sicherheitsbehörde antworteten nicht.