Umweltschutz oder Wirtschaftswachstum - was ist den Menschen wichtiger? Eine neue internationale Studie der University of Vermont liefert jetzt eine klare Antwort: Für die Mehrheit weltweit hat die Umwelt Vorrang.
Auch in Österreich und Westeuropa ist dieser Trend deutlich. Hier ist die Unterstützung für Umweltschutz stark ausgeprägt. Viele Menschen legen mehr Wert auf Lebensqualität, Natur und langfristige Stabilität als auf kurzfristige wirtschaftliche Gewinne. Im Falle von Österreich gibt es jedoch ein "Aber".
Österreich liegt bei der Umweltschutz-Priorisierung zwar vor Polen, Rumänien und Serbien sowie gleichauf mit Ländern wie USA, Frankreich, Indien und Türkei - aber hinter unseren Nachbarn Deutschland, Italien, Ungarn, Slowenien und der Schweiz. Europäische Champions sind Schweden vor Norwegen und Island.
Globale Schlusslichter bei der Umweltschutz-Befürwortung sind Ägypten, Venezuela und Tunesien, in Europa liegen Bosnien-Herzegowina, Lettland und Estland am Ende.
Spannend: Das klassische Bild vom "typischen Umweltbewussten" stimmt nur teilweise. In westlichen Ländern sind es zwar öfter Jüngere, Frauen und gut Ausgebildete, die Umweltschutz priorisieren. Global gesehen zeigt sich aber ein viel breiteres Bild.
In einigen Regionen - etwa in Afrika, Teilen Osteuropas oder Zentralasien - ist die Unterstützung allerdings geringer. Das liegt laut Studie vorwiegend daran, dass dort wirtschaftliches Wachstum stärker mit besseren Lebensbedingungen verbunden ist.
Überraschend ist auch: In vielen nicht-westlichen Ländern spielen Faktoren wie Alter, Einkommen oder politische Einstellung eine deutlich kleinere Rolle als bisher angenommen. Wer für die Umwelt ist, lässt sich dort nicht so leicht in eine Schublade stecken, wie aus der Studie hervorgeht.
Die Forscher sehen in den Studienergebnissen ein klares Signal: Der Wunsch nach mehr Umweltschutz zieht sich durch unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen weltweit. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne politische Lager.
US-Forscher hatten für die Studie Daten aus 92 Ländern analysiert. Das Ergebnis: Rund 58 Prozent der Menschen geben an, dass ihnen der Schutz der Umwelt wichtiger ist als reines Wirtschaftswachstum, wenn beides nicht gleichzeitig möglich ist.
Gleichzeitig warnen die Experten davor, die Ergebnisse falsch zu interpretieren. Nur weil viele Menschen Umweltschutz wichtiger finden, heißt das nicht automatisch, dass sie radikale Änderungen am Wirtschaftssystem fordern.
Fest steht aber: Der Druck auf Politik und Wirtschaft wächst. Themen wie Klimakrise, Artensterben und nachhaltige Entwicklung rücken immer stärker in den Fokus - und die Bevölkerung steht oft weiter, als man denkt.