150 Meter hohe Wand im Meer

Weltuntergangs-Gletscher – Mega-"Vorhang" gegen Kollaps

Ein 80 Kilometer langer Unterwasser-Vorhang soll den Thwaites-Gletscher stabilisieren - sonst gehen jährlich 50 Milliarden Tonnen Eis verloren.
Bernd Watzka
05.02.2026, 14:59
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Er gilt als einer der meistgefährdeten Gletscher der Welt: der Thwaites-Gletscher in der Antarktis, oft auch Weltuntergangs-Gletscher (Doomsday Glacier) genannt. Jetzt wollen Wissenschafter mit einem spektakulären Großprojekt verhindern, dass der Eis-Riese kollabiert.

Plan wie aus Science Fiction

Der Plan klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Eine rund 80 Kilometer lange und bis zu 150 Meter hohe Unterwasser-Wand soll vor dem Gletscher in der Westantarktis errichtet werden. Der sogenannte "Seabed Curtain" soll warmes Meerwasser abhalten, das den Gletscher von unten her immer schneller schmelzen lässt.

Weltweiter Meeresspiegelanstieg

Der Thwaites-Gletscher ist größer als Florida und verliert derzeit rund 50 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Schon jetzt ist er für etwa vier Prozent des weltweiten Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Bricht er komplett zusammen, könnten die Meere um bis zu 65 Zentimeter steigen - mit dramatischen Folgen für Küstenstädte wie Hamburg, London oder Miami.

Am Meeresboden verankert

Hinter dem Projekt stehen internationale Forscher rund um Glaziologe John Moore von der Universität Lappland und Ozeanograf David Holland von der New York University. Der Unterwasser-Vorhang soll schwimmfähig sein und am Meeresboden verankert werden, um warme Strömungen gezielt umzuleiten.

Ob DAS hilft? Eine künstliche Barrieren solle die Eisschilde vor dem warmen Meerwasser schützen.
https://seabedcurtain.org/

Prototypen in norwegischem Fjord

Bevor es ernst wird, testen die Forscher ihre Idee im kleinen Maßstab. In den kommenden drei Jahren sollen Prototypen in einem norwegischen Fjord erprobt werden. Die geschätzten Kosten für das Gesamtprojekt liegen zwischen 50 und 80 Milliarden Dollar.

Umweltschützer mit Kritik

Kritik kommt von Umweltschützern, die vor unvorhersehbaren Folgen für marine Ökosysteme warnen. Holland widerspricht nicht grundsätzlich: Einen sauberen Ausweg aus der Klimakrise gebe es nicht mehr. Es gehe nur noch darum, die schlimmsten Folgen zu begrenzen.

Entscheidung soll 2028 fallen

Bis 2028 wollen die Forscher genügend Daten gesammelt haben, um zu entscheiden, ob der gigantische Vorhang tatsächlich gebaut werden kann. Klar ist schon jetzt: Jeder zusätzliche Zentimeter Meeresspiegelanstieg bedroht weltweit rund sechs Millionen Menschen.

Fakt ist: Ob der Mega-Vorhang kommt oder nicht - der Thwaites-Gletscher zeigt gnadenlos, wie knapp die Zeit im Kampf gegen die Erderwärmung geworden ist.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 05.02.2026, 15:01, 05.02.2026, 14:59
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