Kommt jetzt der erste richtige Wintereinbruch oder bleibt mildes Herbstwetter erhalten? Genau diese Frage sorgt derzeit selbst bei Wetter-Experten für Kopfzerbrechen. Denn die großen Wettermodelle ändern ihre Berechnungen beinahe täglich. Mal kündigt sich Schnee an, dann wieder deutlich wärmere Luft. Eine verlässliche Prognose für die kommenden neun bis zehn Tage ist derzeit kaum möglich.
"So ein Hin und Her erlebt man selbst als Meteorologe nicht jeden Tag. Zuerst zeigte das amerikanische Wettermodell GFS Kälte und sogar Schnee, während das europäische ECMWF mit milder Luft dagegenhielt. Dann rechneten plötzlich beide mild, und wir dachten schon, die Sache sei entschieden", schreibt Wetter-Experte Dominik Jung.
Und weiter: "Und nun tauchen beim ECMWF wieder Läufe mit Schnee und Kälte auf. Viele fragen sich jetzt zu Recht, ob man den Wettermodellen überhaupt noch trauen kann. Die Antwort lautet ja, aber nicht in dieser Lage und nicht auf neun oder zehn Tage."
Während das amerikanische Modell GFS zunächst einen deutlichen Kälteeinbruch samt Schneefall berechnete, ging das europäische Modell ECMWF von wesentlich milderen Temperaturen aus.
Danach schien sich die Wetterlage zu beruhigen. Beide Modelle zeigten plötzlich mildere Verhältnisse. Doch die vermeintliche Einigkeit hielt nicht lange. Inzwischen tauchen beim europäischen ECMWF erneut Berechnungen auf, die Schnee und einen kräftigen Kälteschub erwarten lassen.
Verantwortlich für die großen Unterschiede ist die derzeit ungewöhnlich komplizierte Großwetterlage über Europa.
Normalerweise gelangen Tiefdruckgebiete mit einer relativ gleichmäßigen Westströmung vom Atlantik nach Mitteleuropa. Diese Wetterentwicklung lässt sich vergleichsweise gut vorhersagen.
Aktuell ist dieses Muster allerdings gestört. Hoch KLAUS blockiert den üblichen Weg der Tiefdruckgebiete, während sich über dem Atlantik gleichzeitig immer mehr Bewegung entwickelt.
Zusätzlich lösen sich kleinere Kaltluftgebiete ab, die als eigenständige Tiefs über Europa ziehen. Genau diese Entwicklungen machen den Wettermodellen zu schaffen.
Dabei können schon geringe Verschiebungen der Druckgebiete enorme Auswirkungen auf das Wetter in Österreich haben.
Verlagert sich das Hochdruckgebiet nur einige Hundert Kilometer weiter nach Westen, könnte kalte Polarluft bis zu uns vordringen. Liegt es hingegen etwas südlicher, würde mildere Atlantikluft das Wetter bestimmen.
Das erklärt auch, warum einzelne Modellberechnungen derzeit völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern. Bereits kleine Abweichungen bei den Ausgangsdaten können dazu führen, dass die Wetterkarten nach einer Woche kaum noch miteinander vergleichbar sind.
Dass die Modelle derzeit so stark schwanken, bedeutet allerdings nicht, dass sie grundsätzlich unzuverlässig sind. Vielmehr stößt die langfristige Wettervorhersage bei einer derart instabilen Großwetterlage an ihre Grenzen.
Einzelne Berechnungen, die Schnee oder Temperaturen um 15 Grad zeigen, sollten deshalb noch nicht als sichere Prognose verstanden werden. Entscheidend ist vielmehr, welche Entwicklung sich in der Mehrheit der Modellberechnungen durchsetzt. Derzeit zeichnet sich dabei noch kein eindeutiger Trend ab.
Erst gegen Ende dieser Woche dürfte sich besser abschätzen lassen, ob Österreich im weiteren Novemberverlauf mit winterlicher Kälte rechnen muss oder ob sich die mildere Wettervariante durchsetzt.
Bis dahin bleibt offen, ob der November schon bald Schnee bringt oder sich der Herbst noch einmal von seiner wärmeren Seite zeigt.