Grüne Wiesen statt weißer Pisten, Regen statt Schnee: Der kommende Winter könnte für Österreichs Skigebiete zur Herausforderung werden. Neue Langfristprognosen lassen vor allem für die tieferen Lagen wenig Hoffnung auf einen schneereichen Saisonstart. Gleichzeitig könnten die Gipfel der Alpen unter gewaltigen Schneemengen verschwinden.
Meteorologe Dominik Jung hat gegenüber "merkur.de" die aktuellen Wetterberechnungen für Dezember, Jänner und Februar unter die Lupe genommen. Seine Einschätzung dürfte bei vielen Wintersportlern für Ernüchterung sorgen.
Die neuesten Prognosekarten zeichnen ein auffälliges Bild. Über dem Alpenraum dominieren dunkelrote Farben, die auf deutlich überdurchschnittliche Temperaturen hindeuten.
"Ich habe mir die neuesten Langfristberechnungen für Dezember, Januar und Februar angeschaut, und für Wintersportler sind das keine schönen Bilder. Über den Alpen leuchtet die Karte dunkelrot", schreibt Wetter-Experte Jung bei "merkur.de".
Laut den Berechnungen könnte der Winter in den Alpen um zwei bis drei Grad wärmer ausfallen als im langjährigen Durchschnitt. Bereits der November wird in den Modellen mit einer Temperaturabweichung von rund drei Grad nach oben berechnet.
Besonders problematisch ist der Zeitpunkt. Zahlreiche Skigebiete wollen Ende November oder Anfang Dezember in die neue Saison starten. Genau dann könnten die milden Temperaturen zum Hindernis werden.
Fehlt der natürliche Schnee, greifen viele Skigebiete auf künstliche Beschneiung zurück. Doch auch dafür braucht es ausreichend tiefe Temperaturen.
Bleiben die Nächte zu warm, können die Schneekanonen nicht wie gewohnt eingesetzt werden. Selbst gut gefüllte Wasserspeicher helfen dann nicht weiter.
Vor allem niedriger gelegene Wintersportorte könnten dadurch Schwierigkeiten bekommen, rechtzeitig genügend Schnee auf ihre Pisten zu bringen.
Eine weitere Auffälligkeit der aktuellen Wintermodelle betrifft die Niederschlagsmengen. Für den Alpenraum wird deutlich mehr Niederschlag als üblich berechnet.
Was zunächst nach guten Nachrichten für Skifahrer klingt, könnte sich allerdings als Problem herausstellen. Denn bei überdurchschnittlich hohen Temperaturen steigt auch die Schneefallgrenze.
In den Tälern und mittleren Höhenlagen würde dadurch häufiger Regen statt Schnee fallen. Bereits vorhandene Schneedecken könnten wieder abschmelzen oder vom Regen beeinträchtigt werden.
Ganz anders sieht die Situation in den höchsten Bergregionen aus. Dort könnte der zusätzliche Niederschlag für große Mengen an Neuschnee sorgen.
Die Alpen könnten sich im kommenden Winter somit von zwei völlig unterschiedlichen Seiten zeigen.
Während hoch gelegene Gipfel unter mächtigen Schneedecken verschwinden, könnten in den Tälern grüne Wiesen und aufgeweichte Pisten dominieren.
Hinzu kommt ein weiteres mögliches Problem: Die erhöhte Niederschlagsaktivität könnte mit häufigen Tiefdruckgebieten verbunden sein. Diese bringen mitunter kräftigen Wind und Sturm, wodurch auch der Liftbetrieb beeinträchtigt werden kann.
Wer für den kommenden Winter einen Skiurlaub plant, sollte laut Jung besonders auf die Höhenlage achten.
Gletschergebiete und Wintersportregionen mit Pisten deutlich oberhalb von 2.000 Metern haben bei milden Wetterlagen bessere Voraussetzungen für ausreichend Schnee.
Schwieriger könnte es dagegen für niedrig gelegene Skigebiete in den Voralpen und Mittelgebirgen werden. Besonders rund um Weihnachten besteht dort nach den aktuellen Berechnungen ein erhöhtes Risiko für ungünstige Schneeverhältnisse.
Jung empfiehlt Wintersportlern, bei der Urlaubsplanung möglichst flexibel zu bleiben. Besonders wichtig seien Buchungsmöglichkeiten mit günstigen Stornobedingungen.
Außerdem sollte die tatsächliche Schneelage erst kurz vor der Abreise genauer beurteilt werden. Denn Langfristprognosen können zwar Hinweise auf mögliche Entwicklungen liefern, sagen aber noch nichts über die konkreten Bedingungen an einzelnen Urlaubstagen aus.
Trotz der auffälligen Wetterkarten gibt es laut Jung keinen Grund, den kommenden Skiwinter bereits abzuschreiben. Auch in insgesamt milden Wintern sind kurzfristige Kältephasen möglich. Solche Wetterabschnitte können ausreichen, damit Skigebiete ihre Beschneiungsanlagen intensiv einsetzen und eine Grundlage für den Pistenbetrieb schaffen.
Entscheidend wird daher sein, wann und wie lange die Temperaturen tatsächlich unter den Gefrierpunkt sinken. Die aktuellen Berechnungen sind zudem noch keine endgültige Vorhersage. Gerade bei langfristigen Wettermodellen können sich die prognostizierten Temperatur- und Niederschlagsabweichungen noch deutlich verändern.