Klimaschutz

Wiener Wohnhaus zeigt wie "Raus aus Gas" gelingen kann

Klimaneutralität bis 2040. Ein Wiener Wohnhaus zeigt, wie der Umstieg auf klimafreundliche Gebäudewärme gelingen kann.

Lydia Matzka-Saboi
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál und Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke am Dach der Wohnanlage Huttengasse 77 in Wien-Ottakring.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál und Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke am Dach der Wohnanlage Huttengasse 77 in Wien-Ottakring.
"Heute" Sabine Hertel

474.000 Wohnungen in Wien sind auf Gas angewiesen. Die Stadt will bis 2040 klimaneutral sein. Die Genossenschaftsanlage Huttengasse 77 in Wien-Ottakring zeigt wie‘s geht.

Am meisten sorgte sich Anneliese Oppenauer (69), dass "der Umbau Schmutz und Chaos in der Wohnung hinterlässt", war dann aber positiv überrascht: "In drei Tagen war alles fertig!" Den Umstieg auf klimafreundliche Wärme unterstützte sie und ihr Mann, Franz Oppenauer (73), von Anfang an. Die Heizkörper hat das Paar selbst sanieren lassen, auch neue Thermostate haben die beiden gekauft, sonst kamen keine Kosten auf sie zu. Die Betriebskosten hätten sich verringert. "Eine Erleichterung in der Pension."

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    474.000 Wohnungen in Wien sind auf Gas angewiesen. Die Stadt will bis 2040 klimaneutral sein. Die Genossenschaftsanlage Huttengasse 77 in Wien-Ottakring zeigt wie‘s geht.
    474.000 Wohnungen in Wien sind auf Gas angewiesen. Die Stadt will bis 2040 klimaneutral sein. Die Genossenschaftsanlage Huttengasse 77 in Wien-Ottakring zeigt wie‘s geht.
    "Heute" Sabine Hertel

    Umstieg auf klimafreundliche Wärme

    Nach einer thermischen Sanierung wurden die Gasthermen der 17 Wohnungen im August und September 2021 durch ein Wärmepumpensystem auf dem Dach ersetzt. Die Heizwasserleitungen führen von dort über die Außenfassade im Innenhof in den ehemaligen Hobbyraum, der nun als Heizzentrale mit zwei Pufferspeichern für das Heizungswarmwasser, die elektronischen Einrichtungen und Pumpen dient.

    Für die Umsetzung sowie den Betrieb ist die Wien Energie verantwortlich, geplant wurde die zentrale Anlage von "rew Consulting". Anstelle der Gaskombithermen installierte Wien Energie Wohnungsstationen, die innerhalb von drei Tagen an das bestehende Wärmeabgabesystem mit Radiatoren angeschlossen wurden. Der Eingriff in die Wohnungen war so minimal, dass sie auch während der Umstellungsarbeiten weiterhin genutzt werden konnten.

    Gesamtinvestitionsbedarf von 30 Milliarden Euro

    Für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger investiere die Stadt in den nächsten drei Jahren rund 4,2 Milliarden Euro in den Ausstieg aus Gas. "Der Gesamtinvestitionsbedarf zur Dekarbonisierung des Gebäudebestands beträgt schätzungsweise knapp 30 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte davon entfällt auf umfassende thermisch-energetische Sanierungen und rund 9 Milliarden Euro betreffen die Heizungsumstellungen selbst", betonte Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke im Rahmen einer Begehung der Anlage am Mittwoch mit Journalisten in Wien-Ottakring.

    Derzeit entfallen knapp 30 Prozent der Treibhausgasemissionen auf den Gebäudesektor, fast 90 Prozent der CO2-Emissionen werden von Gasheizungen verursacht. Die Stadt Wien hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 im Bereich der Gebäudewärme klimaneutral zu werden. Statt umweltschädigender Energieformen sollen dann nur mehr klimafreundliche Alternativen zum Einsatz kommen. Die Vision von einer klimaneutralen Stadt setze voraus, dass alle Gebäude in Wien emissionsfrei und mit erneuerbaren Energieformen geheizt bzw. gekühlt werden – auch sogenanntes "Grünes Gas" werde in Wiener Wohnungen nicht zum Einsatz kommen.

    "Am wichtigsten ist es, die Wienerinnen und Wiener für die Energiewende an Bo­rd zu holen", sagte Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. "Bei der Sanierung der Wohnhäuser durch nachhaltige Konzepte und gezielte Förderungen zu helfen und gemeinsam in den Umstieg auf erneuerbare Energien zu investieren."

    Denn die Umstellung müsse für alle Wienerinnen und Wiener leistbar sein. "Klimaschutz kann nur mit einem stark ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit passieren, die Wärmewende muss also einen Beitrag dazu leisten, die Lebensqualität aller Wienerinnen und Wiener zu erhöhen, das Wohnen schöner und angenehmer zu machen“, sagte Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Gleichzeitig müssten die Auswirkungen des technischen Umstiegs auf die Bevölkerung minimal gehalten werden.

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