Tierischer Schutz am Semmering

Wildunfälle: Bei dieser Farbe bleibt Bambi stehen

Mit Wildwarnreflektoren will die Jagdgesellschaft Semmering Wildunfälle auf der L 118 verringern und so Mensch und Tier besser schützen.
Heute Tierisch
16.06.2026, 08:01
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Jahr für Jahr sterben auf Österreichs Straßen rund 70.000 Wildtiere, so die aktuelle Jagdstatistik. Die wahre Zahl dürfte noch deutlich höher liegen. Dazu kommt: Bei jedem Wildunfall entsteht im Schnitt ein Schaden von etwa 4.000 Euro am Auto. Hochgerechnet bedeutet das Schäden in Millionenhöhe für ganz Österreich.

Um diese traurigen Zahlen endlich zu senken, haben das Land Steiermark, die Landesjägerschaft und die BOKU Wien (seit 2021 weitergeführt von den Land & Forstbetrieben Österreich) bereits 2014 ein gemeinsames Projekt gestartet. Dabei werden Daten gesammelt und gezielt Maßnahmen gesetzt, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Auch am Semmering wird im Herbst eine solche Aktion von der örtlichen Jagdgesellschaft umgesetzt.

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Unfallschwerpunkt L 118

Im Revier der Jagdgesellschaft Semmering verläuft die L 118, die sogenannte Semmering Begleitstraße. Sie gilt als echter Unfallschwerpunkt, wenn es um Wildunfälle geht. In den letzten drei Jahren wurden auf einem drei Kilometer langen Abschnitt von Steinhaus am Semmering bis zur Passhöhe insgesamt 26 Unfälle mit Wildtieren gezählt.

Erst Ende Mai hat sich ein Kleinbus überschlagen, weil der Lenker einem Reh ausweichen wollte. Er musste mit dem Notarzthubschrauber ins Spital gebracht werden.

Neue Methode soll helfen

"Solche Unfälle haben wir eher selten, normalerweise gibt es nur Blechschäden", sagt Arnulf Pöcher, Aufsichtsjäger der Jagdgesellschaft Semmering. Er erklärt: "Mit vielen Wiesen links und rechts der Straße (L 118) bietet sich dem Rehwild dort ein perfekter Lebensraum."

Damit die Tiere nicht mehr so leicht über die Straße laufen, wird ab Herbst eine neue Methode ausprobiert. Gemeinsam mit dem Straßenerhaltungsdienst werden an 210 Straßenbegrenzungspflöcken spezielle Wildwarnreflektoren montiert. Diese Reflektoren leuchten bei Scheinwerferlicht blau in Richtung Wiese und, falls ein Reh in der Nähe ist, direkt auf das Tier.

„Rehe sehen die Farbe Rot nicht, nehmen dieses Blau aber sehr stark wahr. Wenn es so nach außen gestreut wird, wird das Tier kurzfristig geblendet und bleibt stehen“
Arnulf PöcherAufsichtsjäger

Bis das Reh wieder losläuft oder umdreht, ist das Auto meistens schon vorbei. Wo Bäume und Sträucher direkt an der Straße stehen, werden zusätzlich akustische Wildwarner angebracht.

Weniger Tierschäden, weniger Einsätze

"Es würde da nichts bringen nur ein kleines Stück zu machen. Rehe sind sehr pragmatisch und würden dann einfach ausweichen", betont Pöcher. Er hofft, dass durch die Maßnahmen weniger Tiere zu Schaden kommen und Autofahrer sicherer unterwegs sind. Auch für die Jäger bedeutet das weniger nächtliche Einsätze.

Nach der Montage behalten die Jäger den Straßenabschnitt genau im Auge, melden Wildunfälle und geben Tipps für Verbesserungen. Zusätzlich wird im gefährdeten Bereich gezielt bejagt. Die Kosten für das Projekt übernimmt zu zwei Dritteln der Straßenerhaltungsdienst, den Rest teilen sich die Landesjägerschaft und das Jagdrevier.

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