Es klingt wie ein Märchen, aber es ist wirklich passiert: Der New Yorker Polizist Robert Cunningham besuchte regelmäßig eine Pizzeria in Yonkers und war mit der Kellnerin Phyllis Penzo befreundet. Im März 1984 füllten die beiden gemeinsam einen Lottoschein aus – und Cunningham versprach ihr die Hälfte des möglichen Gewinns als Trinkgeld.
Penzo hatte die Vereinbarung längst vergessen, als Cunningham sie später kontaktierte: Der gemeinsam ausgefüllte Schein hatte sechs Millionen Dollar gewonnen. Und der Polizist hielt sein Wort – Penzo bekam drei Millionen Dollar als Trinkgeld.
Wie "heise.de" berichtet, wurde die wahre Begebenheit sogar verfilmt – allerdings schrumpfte die Summe im Spielfilm auf zwei Millionen Dollar. Anders als im Film lebten beide nach dem Gewinn einfach mit ihren jeweiligen Partnern weiter.
Die Geschichte ist nicht einzigartig: 1995 gewannen in Kanada ein Gast und seine Kellnerin jeweils umgerechnet 92.350 Dollar. Auch YouTuber Mr. Beast machte Schlagzeilen, als er 10.000 Dollar Trinkgeld für ein einziges Glas Wasser hinterließ – die studentische Aushilfe teilte das Geld unter mehr als 80 Angestellten auf.
Doch während solche Geschichten Herzen erwärmen, zeigt eine neue Umfrage der Hochschule Fresenius eine besorgniserregende Entwicklung: Die Trinkgeld-Kultur droht zu erodieren. Schuld daran sei die Trinkgeldtaste bei der Kartenzahlung, die oft mehr als die üblichen zehn Prozent vorschlägt.
Problematisch ist laut der Studie vor allem, dass das Drücken der Auswahl "Kein Trinkgeld" für Anwesende sichtbar wird. Auch Vorschläge von 20 oder 25 Prozent sorgen für Unbehagen. Immerhin: 82 Prozent der 750 Befragten finden es noch üblich, im Restaurant Trinkgeld zu geben.
Ursprünglich war das Trinkgeld übrigens eine kleine Summe für einen Trunk zum Wohle des Geldgebers – daher auch Bezeichnungen wie "Pourboire" im Französischen. Heute zeigt es die Wertschätzung für guten Service.