Der Klimawandel lässt nicht locker - und bedroht nun sogar die Zukunft der Olympischen Winterspiele. Laut einer aktuellen Auswertung der US-Organisation Climate Central sind viele Austragungsorte bereits jetzt zu warm für verlässliche Wettbewerbe im Schnee.
Besonders betroffen: Cortina d’Ampezzo. Seit den ersten Winterspielen an diesem Ort (1956) ist die Februar-Temperatur um 3,6 Grad gestiegen. Die Zahl der Frosttage sank um knapp 20 Prozent.
Auch Mailand, das heuer gemeinsam mit Cortina Gastgeber der Spiele ist, verzeichnet ein Plus von 3,2 Grad seit damals. Die Alpen zählen mittlerweile zu den Regionen mit der schnellsten Erwärmung weltweit. Der Grund: Schmelzender Schnee reflektiert weniger Sonnenlicht, der dunkle Boden speichert mehr Wärme - ein Teufelskreis.
Laut Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wird Wintersport durch jeden weiteren Temperaturanstieg instabiler. Besonders rund um die Frostgrenze drohen wetterbedingte Ausfälle. Eine Studie der Uni Trient zeigt: Seit 1971 schrumpfte die Schneehöhe in den Alpen um 8,4 Prozent pro Jahrzehnt. Auch die Dauer der Schneebedeckung nahm deutlich ab.
"Wir sehen, dass die Klimakrise nicht nur einzelne schlechte Winter bringt, sondern das Fundament des Wintersports verändert", so Studienautor Robert Steiger von der Uni Innsbruck.
Für die Zukunft sieht es düster aus: Von 93 potenziellen Olympia-Städten weltweit gelten heute noch 87 als verlässlich. In den 2050er-Jahren werden es laut Steiger nur noch 52 sein. Für die Winter-Paralympics, die später im Jahr stattfinden, bleiben sogar nur noch 22 klimatisch sichere Orte.
Vor allem Westeuropa verliere demnach rasch an geeigneten Standorten. Als Mindestanforderung gilt: Tiefe Temperaturen und Schneehöhen von mindestens 30 Zentimetern. Doch selbst das wird zunehmend zur Ausnahme.
Die Forscher sehen dringenden Handlungsbedarf: Neben globalem Klimaschutz braucht es Anpassungen bei Olympia selbst. Denkbar wäre eine Vorverlegung der Spiele auf Ende Jänner, um kältere Wetterphasen zu erwischen. Auch ein Rotationsprinzip zwischen wenigen, zuverlässigen Orten oder längere Spiele mit flexibleren Zeitfenstern sind Optionen.
Frühere Startzeiten und gezielte künstliche Beschneiung könnten zusätzlich helfen - müssten aber effizient und umweltverträglich organisiert werden.