Schultz zu Diesel-Krise

Wirtschafts-Präsidentin: Sprit-Steuer jetzt aussetzen!

Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz ließ am Rande eines Empfangs in Wien aufhorchen: Sie will die CO2-Bepreisung an den Zapfsäulen aussetzen.
22.10.2026, 09:44
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Sie ist die erste Frau, die den Gipfel der Wirtschaftskammer erklommen hat. Nun lud die Tirolerin Martha Schultz – Nachfolgerin des schillernden Harald Mahrer – erstmals zum traditionellen Kammer-Empfang für Medienvertreter.

Kammer-Präsidentin mit erster Rede

Hoch hinauf ging's auch für die Presse, die Zillertalerin lud in die Christoph-Leitl-Lounge im 12. Stock mit Rundum-Blick über die Wieden. Gereicht wurde bodenständig Tiroler Brettljaus'n. Am Rande des Empfangs schenkte Schultz dann statt eines philosophischen Exkurses auch den einen oder anderen Sager zu neuen Steuer-Fantasien ein.

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Steuern: "Schon Diskussion schädlich"

Österreich müsse in der Steuerpolitik neue Wege gehen, "und sich von Retro-Ideen verabschieden", legte Schultz dar. "Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, der Spitzensteuersatz von 55 Prozent bereits ab 500.000 Euro – schon die Diskussion darüber ist standortschädlich", führte die 63-Jährige aus und warnte: "Das hält österreichische und internationale Betriebe vom Investieren bei uns ab."

Sie bat darum, ideologische Standortdebatten "bitte nicht mit mir" zu führen. "Denn am Ende des Tages zählt nur eins: Wird investiert – oder wird nicht investiert? Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Betriebe dafür die nötigen Instrumente und den nötigen standortpolitischen Rückenwind haben. Und keinen ideologisch motivierten Gegenwind, der Investoren in andere Länder verbläst."

Lohnnebenkostensenkung "wichtiges Signal"

Die von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028 um zwei Milliarden Euro sei für Schultz "ein wichtiges Signal", die Kammer habe lange dafür gekämpft. Die Erleichterung bezeichnet sie als "wirklich relevant", führte aus: "Ein Betrieb mit 250 Beschäftigten erspart sich durch die Senkung um einen Prozentpunkt ordentliche 95.000 Euro pro Jahr." Dies sei "Geld, das preislich wettbewerbsfähiger macht – oder eben notwendige Investitionen erleichtert".

"Betriebe Grundlage für soziale Sicherheit"

Die Maßnahme ist für Schultz "kein Geschenk an die Unternehmer oder an irgendwelche 'Superreiche'. Das ist existenziell notwendig, damit unsere Betriebe zukunftsfit und wettbewerbsfähig sind. Und nur zukunftsfähige Betriebe schaffen auch die Grundlagen für soziale Sicherheit".

„Die Mineralölsteuer muss runter und die CO2-Bepreisung muss ausgesetzt werden.“
Martha Schultz Präsidentin WKO

Größtes Problem für den heimischen Standort seien nach wie vor die hohen Lohnstückkosten, die in Österreich noch immer rund 5 Prozent über jenen Deutschlands liegen.

Angesichts der hohen Preise an den Zapfsäulen meldete sich die Kammer-Präsidentin auch mit einer klaren Ansage zur Spritpreisbremse der Regierung zu Wort. Wie auch Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer sieht die Präsidentin im Margeneingriff "das falsche Experiment".

"Ein marktwirtschaftlich besserer Weg"

In der gegenwärtigen "Diesel-Krise" mache man "den Import nach Österreich noch unattraktiver. Damit produzieren wir ein Versorgungsproblem", fürchtet Schultz. Stattdessen schlägt sie vor: "Die Mineralölsteuer muss runter und die CO2-Bepreisung muss ausgesetzt werden – das wäre der marktwirtschaftlich und versorgungstechnisch bessere Weg."

Die Vollblut-Unternehmerin Schultz betreibt mit ihrer Familie einen der größten privaten Seilbahn- und Tourismuskonzerne Österreichs. Zur Unternehmensgruppe gehören mehrere Ski- und Gletscherregionen, Hotels, Restaurants, Reisebüros und Immobilienunternehmen.

coi, 22.10.2026, 09:44
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