In Österreich leben mehr Wölfe als je zuvor – doch die Entwicklung bereitet Experten Sorgen. Laut dem neuen "Statusbericht Wolf" des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs wurden im Jahr 2025 insgesamt 121 Tiere genetisch bestätigt. Das sind deutlich mehr als im Jahr davor. Gleichzeitig schrumpfte jedoch die Zahl der Wolfsrudel von neun auf acht, und der Nachwuchs blieb mit nur sieben nachgewiesenen Welpen auffallend gering.
"Der Bericht zeigt eine wachsende Zahl an Eingriffen in die Wolfspopulation, eine schwächere Familienstruktur und relativ wenige Jungtiere. Damit sind wir noch weit von einem günstigen Erhaltungszustand der Art entfernt", sagt WWF-Experte Christian Pichler.
Besonders auffällig: Die Zahl der getöteten Wölfe hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Mindestens 26 Tiere wurden 2025 erlegt, im Jahr zuvor waren es noch 14 gewesen. Behörden genehmigten allein 22 Abschüsse.
Trotz der zunehmenden Eingriffe in die Wolfspopulation stieg auch die Zahl der gerissenen Nutztiere weiter an. Insgesamt wurden 1.181 Fälle registriert. Nach Einschätzung von Fachleuten zeigt das, dass Abschüsse das Problem nicht automatisch lösen.
Naturschützer verweisen stattdessen auf wirksame Schutzmaßnahmen für Herden. Zäune, Herdenschutzhunde und bessere Betreuung der Tiere könnten Konflikte langfristig reduzieren. Gleichzeitig würden solche Maßnahmen auch andere Risiken für Weidetiere verringern, etwa Krankheiten oder Abstürze.
Der Bericht zeigt außerdem: Viele Nutztierrisse gehen nicht auf ortsfeste Rudel zurück, sondern auf einzelne Wölfe, die auf Wanderschaft sind. Fachleute betonen, dass stabile Rudel eine wichtige Rolle spielen können, weil sie ihr Revier verteidigen und damit neue Tiere fernhalten.
In ganz Österreich – mit Ausnahme von Wien – wurden im vergangenen Jahr Wolfsnachweise registriert.
Biologen erinnern daran, dass der Wolf eine wichtige Funktion in der Natur erfüllt. Als Beutegreifer hält er Wildbestände in Schach und kann so zur Stabilität von Wäldern und zur Artenvielfalt beitragen.
Der aktuelle Bericht macht deutlich: Die Zahl der Wölfe wächst – doch ihre Zukunft bleibt unsicher. Experten sehen Österreich noch weit davon entfernt, eine dauerhaft stabile Population zu erreichen.