Es ist ein großer Schock in der Region. Das steirische Traditionsunternehmen Wollsdorf Leder steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH und die Holding Wollsdorf International GmbH haben beim Landesgericht Graz einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das haben die Kreditschützer von AKV und KSV1870 am Freitag bekannt gegeben.
Wie "Heute" bereits berichtete, ist die Lage in der Automobilzulieferindustrie schwierig. Die Nachfrage ist zuletzt stark gesunken. Zusätzlich hat ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei die Lieferkette des Lederbetriebs schwer getroffen, so die Kleine Zeitung. Insgesamt sind 365 Mitarbeiter und rund 660 Gläubiger von der Insolvenz betroffen.
Laut Angaben der Kreditschützer hat die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH Aktiva von etwa 10,6 Millionen Euro, dem stehen Verbindlichkeiten von 26,7 Millionen Euro gegenüber. Bei der Holding liegen die Aktiva bei 320.000 Euro, die Passiva bei 32,2 Millionen Euro. Beide Firmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent an, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans.
Bereits im November wurde bekannt, dass das Unternehmen, das sich selbst als "einen der führenden Ledererzeuger der Welt" bezeichnet, viele Jobs in der steirischen Zentrale abbaut. Damals hieß es, dass Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden, konkret nach Mexiko. Schon bisher hat Wollsdorf nicht nur in der Steiermark, sondern auch in China, Kroatien und seit 2019 in Mexiko produziert.
Der Betrieb wurde 1936 als "Weizer Gerberei Schmidt & Co" gegründet und ist bis heute in Familienbesitz. Laut eigenen Angaben deckt Wollsdorf Leder "die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung und Herstellung des Oberflächenmaterials bis zum Stanzen, Beledern und Nähen der fertigen Bauteile ab".