Gold für Loic Meillard (Sz), Silber für Fabio Gstrein, Bronze für Henrik Kristoffersen (Nor) – so endete am Montag der Olympia-Slalom in Bormio (It). Pechvogel des Tages: Atle Lie McGrath.
Der Norweger ging als klarer Halbzeit-Leader ins Finale, fädelte aber mit bester Zwischenzeit ein. Danach ließ er seinem Frust freien Lauf. Der 25-Jährige schleuderte seine Skistöcke weg, schnallte die Ski ab – und kletterte am Pistenrand durch einen Zaun.
McGrath stapfte wütend im tiefen Schnee davon. Das Ziel: der Waldrand. Dort legte sich der "Ski-Elch" in den Schnee, legte die Hände auf sein Gesicht und begann, sein Aus mental zu verarbeiten.
Den Jubel der Medaillengewinner im Ziel wollte sich der Norweger nicht antun – er fuhr erst nach der Siegerehrung ins Zielstadion. Interviews verweigerte er zunächst und verließ den Pressebereich mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze.
Erst einige Stunden später erklärte McGrath, was in ihm vorging. "Ich wollte etwas Zeit für mich allein haben. Alles ist außer Kontrolle geraten. Die Fotografen haben mich auch dort gefunden, sodass ich auch dort keine Zeit für mich allein hatte. Es sind nur Gefühle, die da zum Vorschein kommen", sagte McGrath.
Verärgert zeigte er sich über Schweiz-Trainer Thierry Meynet, der auf der Piste jubelte, als McGrath einfädelte. "Das war das Erste, was ich gesehen habe. Ich brauche dazu nichts zu sagen. Es ist klar, was ich davon halte", so McGrath.
Der Head-Pilot macht generell eine harte Zeit durch. Zu Beginn der Spiele hatte er den Tod seines geliebten Großvaters verkraften müssen. "Es waren ein paar harte Tage außerhalb des Sports."
McGrath will sich vorerst zurückziehen. "Ich werde viel Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen. Ich glaube, ich brauche tatsächlich Hilfe. Es war wirklich hart, ich habe so etwas noch nie erlebt in meinem Leben. Der Tod meines Opas hat mich etwas aus der Bahn geworfen, aber ich habe zum Glück Menschen um mich herum, die mich lieben und unterstützen."
Er sei so enttäuscht, weil er im ersten Lauf "hervorragend" Ski gefahren sei. "Und dann habe ich es nicht runtergebracht – mit einer halben Sekunde Vorsprung. Das macht es so hart für mich. Olympia ist nur alle vier Jahre, das macht es so schwierig, dies zu verkraften. Aber ich werde wiederkommen und dann sehen wir uns in vier Jahren."