Derby im Cup-Achtelfinale! Rapid ist am Dienstag (18 Uhr) auf der Hohen Warte gegen die Vienna gefordert. Das Spiel bewegt die Massen, ist längst ausverkauft.
Einer, der im Mittelpunkt stehen könnte, ist Bernhard Zimmermann. Der 24-Jährige bestritt für die Hütteldorfer 47 Spiele, netzte 13 Mal. Seit Jänner 2025 greift der Korneuburger für den Zweitligisten an, hält bei 21 Treffern. Im "Heute"-Interview erzählt der Goalgetter, mit welchen Erwartungen in den Kracher geht.
Herr Zimmermann, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Cup-Los Rapid erfahren haben?
"Ich habe mir die Auslosung daheim im Fernsehen angeschaut und dachte mir: 'Sehr cool, aber das wird sicher nicht leicht.' Es waren jedenfalls mehr positive als negative Gedanken."
Wie viele Kartenanfragen haben Sie bekommen?
"Einige. Eine Hand geht sich bei Weitem nicht aus."
Das Stadion ist am Dienstag bummvoll, es wird bei Flutlicht gespielt, es geht um viel, beide sind gut drauf. Was erwarten Sie für eine Partie?
"Das sind die besten Vorzeichen für ein Fußballfest. Wir sind im Flow, aber alle im Verein wissen – vom Fan bis zum Präsidium – dass das eine richtig schwere Aufgabe wird. In einem Cup-Spiel ist aber bekanntlich immer alles möglich. Warum sollte diesmal nicht der Underdog weiterkommen? Wir werden alles geben und schauen, was rauskommt."
Wie schätzen Sie die Vienna-Chancen ein?
"Man muss klar sagen, dass Rapid der Favorit ist. Die sind Tabellenführer in der Bundesliga, spielen einen richtig guten Fußball. Aber im Cup herrschen eigene Gesetze, heißt es. Wir wollen unseren Fans was zurückgeben, es ist wie ein Bonusspiel für uns."
Sie machen kein Geheimnis daraus, dass Sie glühender Rapid-Fan sind. Stecken Sie in einem Interessenskonflikt?
"Nein, gar nicht. Ich spiele bei der Vienna, das ist mein Arbeitgeber und es taugt mir hier richtig. Ich will jedes Spiel gewinnen, egal gegen wen. Ich will Rapid den Cup-Titel vermiesen, sie sollen in der Bundesliga zuschlagen."
Sie haben selbst bei Rapid gekickt. Besteht noch Kontakt?
"Vereinzelt bin ich noch mit Spielern in Kontakt. Aber von Jahr zu Jahr wird es weniger natürlich. Von der Mannschaft, mit der ich gespielt habe, sind nicht mehr viele da."
Rapid ist stark in die Liga gestartet. Denken Sie, sie ziehen es bis zum Schluss durch?
"Die Meisterschaft ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Rapid hat sicher das Potenzial und die Mannschaft, sie sind im Flow, haben die Fans hinter sich. Aber natürlich wird der Druck immer größer, je länger sie vorne sind. Weil irgendwann jeder denkt, es wird sicher so passieren, dass sie Meister werden. Ich würde Rapid den Titel wünschen, sie warten schon viel zu lange darauf."
Nicht nur Rapid, auch die Vienna ist ausgezeichnet unterwegs. Der Traum vom Aufstieg lebt mehr denn je. Was spricht für euch?
"Schon letzten Sommer hieß es, dass wir unbedingt aufsteigen wollen. Das ist auch medial so kommuniziert worden. Im Nachhinein war das nicht das Gescheiteste. Schon allein wegen des Druckes, den man der Mannschaft auferlegt. Heuer hat es einen richtigen Umbruch gegeben. Mit Didi Elsneg kam schon im Februar ein neuer Sportdirektor, im Sommer dann mit Patrick Enengl ein neuer Trainer. Wir haben über zehn Ab- und Zugänge. Die Vorbereitung war daher sehr wichtig, damit uns die Prinzipien und Spielideen eingetrichtert werden. Jeder Trainer will seinen Fußball spielen lassen. Momentan funktioniert es, jeder hat Spaß. Mit unserer Qualität können wir gewisse Dinge in der zweiten Liga erzwingen."
Wie groß ist der Faktor Patrick Enengl? Er ist mit 32 Jahren ein sehr junger Coach, gilt als großes Talent. Was zeichnet ihn aus, wo wird ihn sein Weg hinführen?
"Er hat für sein Alter schon relativ viel Erfahrung und war mit Amstetten richtig erfolgreich in der zweiten Liga. Er bringt ein eigenes Spielsystem mit, ganz anders als das, das wir unter dem vorigen Trainer Hans Kleer gespielt haben. Er geht mit den Spielern ehrlich um, man weiß bei ihm, wo man steht. Er spricht klar an, was ihn stört und was ihm passt. Er kann kommunizieren. Am Ende geht es im Fußball um Ergebnisse – und die bringt er. Es ist absolut möglich, dass wir mit der Vienna in die Bundesliga aufsteigen. Er hat alle Chancen auf eine steile Karriere."
Sie selbst sind ebenfalls gut in Schuss.
"Seit dem Winter klappt es wieder gut mit dem Toreschießen. Warum ist schwer zu erklären. Ich wusste eigentlich immer, was ich kann, dass ich meine Stärken habe. Aber wenn man ein paar Tore macht, geht es einfach leichter von der Hand. Dann steht man richtig, gehen abgefälschte Bälle rein. Es entsteht eine gewisse Leichtigkeit."
Aber: Sie spielen eigentlich nie durch. Warum?
"Ich glaube, bei uns hat noch kein Stürmer durchgespielt. Wir haben einen qualitativ breiten Kader, der Trainer kann immer etwas nachschießen. Oft haben wir gesehen, dass die, die reinkommen, den Deckel draufmachen. Wenn ich beginne und mein Tor mache, passt es. Wenn ich reinkomme und mein Tor mache, passt es auch. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Statistik weiter raufschrauben kann. Wichtig ist, dass wir am Ende gewinnen."
Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Mit der Vienna in die Bundesliga oder den nächsten Schritt machen – wie sehen Ihre Träume und Pläne aus?
"Jeder Fußballer will eine möglichst tolle Karriere bei coolen Vereinen machen. Aber mein voller Fokus liegt bei der Vienna. Ich will gesund bleiben und meine Leistung bringen und als Mannschaft erfolgreich sein. Dann wird man automatisch interessanter für andere Klubs. Aber aktuell zählt nur die Vienna."