Es gilt als fix: Am 11. Juni dürfte die Europäische Zentralbank zum ersten Mal seit September 2023 wieder die Leitzinsen anheben. Davon gehen jedenfalls die Experten aus. Unterm Strich rechnen die Fachleute in einem ersten Schritt mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Der wichtige Einlagenzins würde damit auf 2,25 Prozent steigen.
Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs massiv gestiegenen Preise, angetrieben vor allem durch Energiekosten. Laut einer ersten Schnellschätzung von Eurostat betrug die Inflation im abgelaufenen Mai 3,2 Prozent, in Österreich waren es sogar 3,7 Prozent. Das liegt deutlich über dem von der EZB angestrebten Zielwert von 2,0 Prozent.
Die Idee hinter der Maßnahme: Höhere Zinsen machen Kredite teurer. Firmen und Haushalte geben deshalb weniger aus, wodurch die Preise wieder sinken sollten. Auf der anderen Seite könnte sich die Zinserhöhung bremsend auf die ohnehin schwächelnde Wirtschaft auswirken.
Für Sparer sind höhere Zinsen grundsätzlich eine gute Nachricht – sofern Banken auch entsprechend nachbessern. Wer Geld auf der Seite hat, sollte also Angebote vergleichen.
Für Kreditnehmer wird es hingegen unangenehmer. Variable Wohnkredite könnten teurer werden, gleiches gilt für neue Kredite. Auch hier ist es sinnvoll, Deals zu vergleichen und nicht sofort auf das erstbeste Angebot der Hausbank einzusteigen.
Insgesamt steckt die Europäische Zentralbank in einem Dilemma. Hebt sie die Zinsen an, kann das die Inflation bremsen. Gleichzeitig belastet sie aber Haushalte, Wirtschaft & Co. Lässt sie die Zinsen zu niedrig, könnten die Preise weiter steigen. Dann verliert das Geld weiter an Wert.