Zebrastreifen-Stress

Zu kurze Grünphase – Senioren kämpfen mit Wiener Ampeln

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit übt Kritik an Ampelschaltungen in Wien. Vor allem für ältere Menschen seien viele Grünphasen zu knapp bemessen.
Heute Life
11.03.2026, 13:36
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Die kurzen Grünphasen an Fußgängerampeln in Wien sorgen für Kritik. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) sowie mehrere Seniorenverbände fordern längere Ampelzeiten. Besonders ältere Menschen würden durch die derzeitigen Schaltungen unter Stress geraten.

Laut dem KfV seien viele Grünphasen für Fußgänger zu knapp bemessen. "Viele Seniorinnen und Senioren wollen den Schutzweg wegen der kurzen Grünphase gar nicht mehr betreten", sagte Klaus Robatsch, Leiter für Verkehrssicherheit beim KfV. Dadurch leide auch das subjektive Sicherheitsempfinden im Straßenverkehr.

Ampelschaltungen nach Richtlinien

Für die Ampeln in Wien ist die Magistratsabteilung 33 zuständig. Dort betont man, dass sich die Schaltungen an den Richtlinien und Vorschriften für den Straßenbau (RVS) orientieren. Die Dauer einer Ampelphase hängt laut Stadt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Lage der Kreuzung, der Verkehrsdichte, der Tageszeit sowie den verschiedenen Verkehrsteilnehmern. Ziel sei ein möglichst effizienter Verkehrsablauf.

Grundsätzlich muss jede Fußgängerampel in Wien eine Mindestgrünzeit von zehn Sekunden mit anschließendem Grünblinken haben. Danach folgt die sogenannte Räumzeit. Sie beschreibt die Zeitspanne zwischen dem Umschalten auf Rot für Fußgänger und dem Grünsignal für den Querverkehr. Diese Räumzeit wird mit einer Gehgeschwindigkeit von 1,0 bis 1,2 Metern pro Sekunde berechnet.

Beispiel zeigt Tempo-Anforderung

Wie schnell man gehen muss, hängt von mehreren Faktoren ab: der Länge des Schutzwegs, der Grünphase und der Räumzeit.
Ein Beispiel der Stadt: Ist ein Schutzweg 15 Meter lang, wird für die Räumzeit ein Meter pro Sekunde angesetzt. Zusammen mit einer Grünphase von zehn Sekunden ergibt sich eine Gesamtzeit von 25 Sekunden. Wer in dieser Zeit die Straße überqueren möchte, muss mindestens 0,6 Meter pro Sekunde gehen.

Seniorenverbände fordern Änderungen

Seniorenvertretungen sehen dennoch Handlungsbedarf. Der Österreichische Seniorenbund (ÖSB) fordert "mehr Schutz für Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr". Laut Präsidentin Ingrid Korosec werde es für ältere Menschen immer schwieriger, bei Grün sicher über die Straße zu kommen. Auch beim Pensionistenverband Österreich (PVÖ) häufen sich entsprechende Rückmeldungen. Besonders an stark frequentierten, mehrspurigen Straßen würden ältere Menschen die kurzen Grünphasen als problematisch empfinden, sagte Ilse Fitzbauer vom PVÖ-Wien.

Neue Technik soll helfen

Die Stadt Wien setzt inzwischen auch auf neue technische Lösungen. Seit 2024 werden einige Schutzwege mit sogenannten Räumzeitanzeigen ausgestattet. Neben dem üblichen Rot- und Grünlicht zeigt ein orangefarbener Zebrastreifen die letzten Sekunden an, in denen die Straße noch überquert werden kann. Derzeit gibt es laut Magistrat rund 250 solche Schutzwege in Wien. Eingesetzt werden sie vor allem bei Übergängen mit einer Länge von mehr als zehn Metern.
Zusätzlich kommen an manchen Kreuzungen "intelligente Ampeln" zum Einsatz. Mithilfe von Sensoren und Künstlicher Intelligenz (KI) erkennen sie automatisch, wenn Fußgänger die Straße überqueren wollen – ein Knopfdruck ist nicht mehr nötig.
Die Systeme passen auch die Länge der Grünphase an. Sie berücksichtigen dabei etwa, wie viele Menschen an einem Zebrastreifen warten, und wählen entsprechend eine längere oder kürzere Grünzeit aus.

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