Vor ihrer Krankheit war Irene P. (68) eine richtige Sonnenanbeterin. Doch seit die Pensionistin aus Wien-Liesing mehrere Schübe der Multiplen Sklerose – eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems – hatte, machen ihr die Hitzetage im Sommer immer mehr zu schaffen.
Die hohen Temperaturen sind für die MS-Kranke, deren linke Körperhälfte beeinträchtigt ist, eine richtige Qual – eine Kühlweste verschafft ihr zumindest etwas Linderung: "Die Temperaturen, die es da hat, die sind so für mich, dass ich mich da echt bemühen muss, mich zu bewegen. Dass ich rausgehe, kommt überhaupt nicht infrage. Ich muss immer in einem kühlen Raum sein", erklärt die 68-Jährige in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt".
Irene P. wohnt im 2. Stock, in einer südseitigen Wohnung der Genossenschaft Sozialbau – Schatten Fehlanzeige! Alle Maßnahmen, die sie umsetzen konnte, hat die Pensionistin veranlasst. Sie hat eine Markise am Balkon, die bereits in der Früh ausgefahren wird. Zusätzlich hat sie Innen-Rollläden in jedem Zimmer, die ebenfalls heruntergefahren werden: "Im Sommer fühle ich mich wie ein Maulwurf im Bunker", meint sie.
Auch ein mobiles Klimagerät für Innenräume hat sich Irene P. bereits angeschafft – glücklich ist sie damit nicht. Sie wünscht sich ein Split-Klimagerät auf ihrem Balkon. 2024 suchte sie daher bei der Sozialbau um das Gerät an – und erhielt eine Absage.
Die Begründung: "Die Montage bedeutet einen wesentlichen und unerwünschten Eingriff in das örtliche Erscheinungsbild des Hauses. Überdies stellen außenliegende Klimageräte durch ihre fortdauernde Abnützung eine beträchtliche Lärmbelästigung für die Bewohner:innen dar. Hinzu kommt der hohe Energieverbrauch und die daraus resultierende Erwärmung des Stadtklimas."
Die 68-Jährige wandte sich daraufhin an die Schlichtungsstelle der MA 50. Nachdem Mitarbeiter sich vor Ort ein Bild gemacht hatten, erhielt Irene P. erneut eine Absage. Die Klimaanlage, die die Wienerin gerne einbauen lassen würde, sei mit 39,7 Dezibel zu laut – in der Nacht gilt die Grenze von 35 Dezibel.
Irene P. schlug daher vor, das Gerät in der Nacht auszuschalten oder eine Plombierung an einer Zeitschaltuhr anbringen zu lassen. Doch die MA 50 ging auf die Vorschläge nicht ein. Erst als die für den Fall zuständige ORF-Redakteurin bei der MA 50 bzw. bei einem Sprecher von Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) anfragte, kam Bewegung in die Causa.
Die 68-Jährige erhielt nun ein E-Mail von der MA 50, dass sie noch einmal konkret für ein Klimagerät mit plombierter Zeitschaltuhr anfragen soll. Der positive Bescheid dazu ist allerdings noch nicht eingetroffen. Sobald dieser eingelangt ist, kann Irene P. diesen an die Sozialbau weiterleiten. Dann sollte dem Einbau einer Klimaanlage nichts mehr im Weg stehen: "Das wäre für mich mehr Lebensqualität", freut sich Irene P.