Eine Mädchenbande saß am Dienstag (9.6.) auf der Anklagebank am Wiener Landl. In die Schule gehe sie nicht, so eine 15-Jährige. "Warum nicht?", wollte die Richterin wissen. "Weil ich es nicht geschafft habe, in der Früh aufzustehen", so die trotzige Antwort.
Die 15-Jährige musste sich gemeinsam mit zwei 14-Jährigen vor Gericht verantworten. Der Mädchen-Gang wurde Körperverletzung, Nötigung, Diebstahl und versuchte absichtlich schwere Körperverletzung vorgeworfen. Im Mittelpunkt stand eine Gewaltattacke, die sich Ende März in der Tiefgarage der Millennium City in Wien-Brigittenau abgespielt haben soll.
Die drei Mädchen sollen eine Jugendliche aus Afghanistan dort gezielt in eine dunkle Ecke gelockt haben. Der Grund: Das Opfer habe angeblich behauptet, vom Ex-Freund einer der Angeklagten vergewaltigt worden zu sein. Dafür wollte man sie "bestrafen".
Der Vorfall ist laut Gericht gut dokumentiert, eine 14-Jährige filmte alles mit dem Handy. Auf dem Clip ist angeblich zu sehen, wie das Opfer gezwungen wird, sich hinzuknien. Danach folgen Schläge und Tritte. Das Mädchen wird an den Haaren gezogen. Eine 14-Jährige schlägt ihr mit einer Glasflasche mehrmals auf den Hinterkopf.
Vor Gericht wird aber nicht nur der Vorfall selbst thematisiert. Auch die Vorgeschichte einer der Angeklagten rückt in den Fokus. Ihr Verteidiger schildert laut "Krone"-Bericht ein Mädchen, das zunächst in geordneten Verhältnissen aufgewachsen sei. "Sie ist behütet bei einer Pflegemutter aufgewachsen, mit 12 Jahren aber falsch abgebogen." Während eines Aufenthalts in einem Kriseninterventionszentrum habe es laut Verteidiger sexuelle Grenzverletzungen durch einen Security-Mitarbeiter gegeben. Gleichzeitig habe es an Struktur und Betreuung gefehlt.
Die Gewalt der Mädchen beschränkte sich laut Anklage nicht nur auf den Vorfall in der Tiefgarage. Auch Betreuer in Wohngemeinschaften sollen attackiert worden sein. Die Vorwürfe reichen von Faustschlägen und Fußtritten bis hin zu Todesdrohungen.
Nach der Gewaltorgie in der Tiefgarage seien sie zu McDonalds gegangen und hätten am Praterstern noch Freundinnen getroffen, geben die Mädchen zu Protokoll. Das Video endet angeblich damit, wie eine der Verdächtigen Blut des Opfers auf die Garagenwand schmiert. Die Afghanin wurde bei dem Vorfall zwar verletzt, zum Glück aber nicht allzu schwer.
"Was Sie getan haben, ist zutiefst schäbig. Sie haben Riesenglück, dass dem Opfer nicht noch mehr passiert ist", so die Richterin. Urteil: Die 15-Jährige bekommt 13 Monate teilbedingt, die vorbestrafte 14-Jährige fasst 15 Monate teilbedingt aus. Für die "Filmerin" (14) setzt es einen Schuldspruch ohne Strafe – sie ist nun amtsbekannt. Die Unschuldsvermutung gilt.