Kaliforniens Strände erleben derzeit einen ungewöhnlich "hai-reichen" Sommer: Forscher registrieren deutlich mehr Weiße Haie als gewöhnlich – manche schwimmen nur wenige Meter von Badenden und Surfern entfernt. Verantwortlich dafür ist vor allem das warme Pazifikwasser durch El Niño.
Was für Badegäste nach einem neuen "Der weiße Hai"-Film klingt, ist für Meeresbiologen ein faszinierendes Naturschauspiel. Das Shark Lab der California State University Long Beach verfolgt die Bewegungen hunderter markierter Weißer Haie. Direktor Dr. Chris Lowe berichtet, dass an einzelnen Stränden derzeit täglich rund 20 Tiere registriert werden. Einige Haie wurden gerade einmal rund 15 Meter vom Ufer entfernt entdeckt – in teilweise nur hüfttiefem Wasser.
Hinter dem ungewöhnlichen Andrang steckt vor allem El Niño. Das Klimaphänomen erwärmt das Wasser im östlichen Pazifik und verschiebt damit auch den Lebensraum der Tiere. Vor allem junge Weiße Haie, die normalerweise vor Mexiko und Südkalifornien unterwegs sind, weichen dem zu warmen Wasser aus und ziehen weiter nach Norden.
Bereits im Februar entdeckten Forscher Jungtiere vor Kalifornien – normalerweise tauchen sie dort erst im April oder Mai auf. Beim starken El Niño 2015 hatte das Shark Lab zeitweise etwa doppelt so viele Weiße Haie entlang der kalifornischen Küste beobachtet.
Dass sich die Jungtiere ausgerechnet in Strandnähe aufhalten, ist kein Zufall. Die flachen, warmen Küstengewässer Südkaliforniens gelten als Kinderstube des Weißen Hais. Hier finden die Tiere reichlich kleine Fische und Rochen und sind gleichzeitig besser vor größeren Artgenossen geschützt. Die kalifornischen Behörden rechnen aufgrund des warmen El-Niño-Wassers damit, dass sich die Haie heuer nicht nur weiter nach Norden ausbreiten, sondern auch länger in Küstennähe bleiben.
So spektakulär die Bilder von Haien neben Surfern wirken: Lowe warnt ausdrücklich vor Panik. Gerade junge Weiße Haie zeigen normalerweise kaum Interesse an Menschen. Untersuchungen mit Drohnen zeigten sogar, dass sich an zwei kalifornischen Hai-Hotspots Menschen und Weiße Haie in 97 Prozent der beobachteten Zeit gleichzeitig im Wasser befanden – meist, ohne dass die Badegäste überhaupt etwas von ihren großen Nachbarn bemerkten.
Hai-Bisse bleiben äußerst selten. Für die Forscher ist die Rückkehr der Tiere vielmehr auch ein gutes Zeichen: Der streng geschützte Spitzenräuber zeigt, dass sich Teile des kalifornischen Küstenökosystems erholen.