Nicht nur zu Zeiten des legendären Orient-Express, sondern noch bis 1991 waren Fernzüge über den Balkan allgegenwärtig. Von Dortmund und München aus ging es über Salzburg, Villach, Ljubljana, Zagreb, Belgrad, Skopje und Thessaloniki bis nach Athen – ehe der Jugoslawien-Krieg dem ein Ende setzte. Nach Griechenland oder in die Türkei zu kommen ist heute ungemein schwieriger. Doch es gibt einige Bestrebungen, solche imposanten Zug-Reisen wieder zu ermöglichen.
Einen Schritt näher an Europa gerückt ist jetzt Istanbul. Ab sofort ist in der Türkei die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Çerkezköy und Edirne an der bulgarischen Grenze in Betrieb. Für diese 153 Kilometer werden fortan nur mehr 54 Minuten benötigt. Der konkrete Nutzen für Reisende aus Mitteleuropa ist allerdings überschaubar – zumindest noch.
Der beste Weg nach Istanbul ist aktuell mit dem täglichen Nachtzug von Wien nach Bukarest. Von dort verkehrt im Anschluss ein weiterer Nachtzug nach Istanbul – allerdings nur im Sommer. Die ganzjährige Hauptverbindung fährt von Sofia nach Istanbul. Und diese kommt über die neue Strecke jetzt schon um 07.21 Uhr statt um 09.56 Uhr in Istanbul an.
In nur wenigen Monaten könnte dann der schnellste Weg von Wien nach Istanbul aber nicht mehr über Bukarest, sondern über Belgrad führen. Eigentlich hätten Direktzüge über die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Budapest und Belgrad schon im März ihren Betrieb aufnehmen sollen.
Wegen Problemen beim Zugsicherungssystem wurde dieser Termin immer wieder verschoben, mittlerweile sollen aber die letzten Tests beendet sein, Dezember der endgültige Starttermin sein.
Von Wien aus wäre man dann in 6:36 Stunden in Belgrad, kann dort einen weiteren Zug nach Niš nehmen oder direkt per Bus nach Sofia übersetzen, um dort dann den Nachtzug nach Istanbul zu nehmen.