Nach dem schweren Zugunglück von Mittwochvormittag sitzt der Schock in Spanien noch immer tief. Gegen 9 Uhr krachten in der Provinz Toledo zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen. Dabei kamen mindestens 68 Menschen ums Leben, weitere 80 Personen wurden verletzt.
Die nunmehrige Katastrophe dürfte nun in einem bereits bestehenden Streit um die Sicherheit auf Spaniens Zugstrecken Öl ins Feuer gegossen haben. Noch vor dem Unglück war für Donnerstag ein Streik der Mitarbeiter der staatlichen Bahngesellschaft Renfe geplant.
Wie die "Bild" berichtet, hatte die Gewerkschaft SEMAF bereits Mitte Oktober zu dem Aufstand aufgerufen. Die Forderungen beziehen sich auf mehr Sicherheit im Bahnverkehr, besseres Notfallmanagement, eine zuverlässigere Instandhaltung und mehr Personal.
Demnach seien früher Vereinbarungen seitens der Bahngesellschaft nicht umgesetzt worden. Diese Vorwürfe werden von der Bahngesellschaft zurückgewiesen. Man sei den Verpflichtungen im eigenen Zuständigkeitsbereich nachgekommen, hieß es.
Laut Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente sei bei der aktuellen Tragödie das automatische Sicherheitssystem in der Region Kastilien-La Mancha ausgefallen. Dies habe dazu geführt, dass die Hochgeschwindigkeitszüge gestoppt wurden. Erst nach der Aktivierung des manuellen Kontrollsystems sei es den Zügen erlaubt gewesen weiterzufahren.
Als die beiden Züge etwa 25 Kilometer voneinander entfernt waren, sei der Iryo-Zug aus ungeklärter Ursache erneut stehen geblieben, während der Renfe-Zug seine Fahrt fortsetzte. Aus dem Kontrollzentrum des Schienennetzbetreibers Adif in Madrid habe es geheißen, dass der Zug weiterhin mit normaler Geschwindigkeit fahren soll – ein fataler Fehler. Da der andere Zug stillstand, hätte der Renfe-Zug maximal 40 km/h schnell sein dürfen.
So kam es allerdings zum Crash. Der Renfe-Zug krachte in den Iryo-Zug, wodurch zwei Waggons entgleisten und eine Böschung hinunterstürzten. Man gehe also von menschlichem Versagen aus. Die Entscheidung sei laut Puente "unerklärlich".
Es war allerdings nicht die erste Zug-Katastrophe in diesem Jahr. So kam es im Jänner zu einem Zusammenstoß zweier Züge bei Adamuz. Damals starben 46 Menschen. Insgesamt 152 Personen wurden verletzt. Für das Unglück soll laut den Ermittlungen eine gebrochene Schiene verantwortlich gewesen sein.