Am Anfang waren es nur Hinweise in lauen Frühlingsnächten. Immer wieder war in den vergangenen Jahren am östlichen Stadtrand von Klagenfurt das typische, monotone "tiou" der balzenden Zwergohreulen zu hören. Ob die seltenen Eulen dort wirklich brüten, war aber lange unklar. Jetzt gibt es die Antwort: Klagenfurt hat eine neue Brutvogelart.
Der erste gesicherte Brutnachweis gelang in Hörtendorf – und das gleich mit vier Jungvögeln. Wie kleinezeitung.at berichtet, wurde der Ort 2026 neu ins Kärntner Artenschutzprojekt Zwergohreule aufgenommen. Ende April montierte man zwei speziell angefertigte Nistkästen in der Nussallee des Biohofes Tauschitz. Bei der Kontrolle Mitte Juli, wie sie im Projekt vorgesehen ist, dann die Überraschung: Einer der beiden Kästen war tatsächlich bewohnt. Vier rund 15 Tage alte Jungvögel schauten die Mitarbeiter des Projekts an.
Auch Wochen später war die Eulenfamilie noch da. Anfang August konnte man die Tiere nachts hören, ihre Silhouetten zeichneten sich im schwachen Licht gegen den Himmel ab. Damit ist zum ersten Mal eine erfolgreiche Brut der Zwergohreule im Stadtgebiet von Klagenfurt dokumentiert.
Der Nachweis ist besonders bemerkenswert, weil "Otus scops" – so lautet der lateinische Name – zu den seltensten Brutvögeln in Österreich zählt. Laut den aktuellen Daten der Plattform ornitho.at brüten im Stadtgebiet von Klagenfurt 78 Vogelarten. Die Zwergohreule ist die einzige davon, die auf der Roten Liste der Brutvögel Österreichs als "stark gefährdet" aufscheint. Ihr Hauptverbreitungsgebiet in Österreich liegt in Kärnten, vor allem südlich von Klagenfurt am Sattnitz-Höhenzug und im Rosental.
Dass die nur rund 20 Zentimeter große Eule jetzt genau am Rand der Landeshauptstadt Junge aufzieht, hängt stark mit der dortigen Landschaft zusammen. Zwergohreulen brauchen wärmebegünstigtes, extensiv bewirtschaftetes Kulturland: Streuobstwiesen, alte Baumreihen und Alleen mit Höhlen sowie große Wiesenflächen. Dort jagen sie vor allem große Insekten. Als überwiegend insektenfressende Eulen verlassen sie Österreich im Herbst und überwintern in Afrika.
Der Nachwuchs aus Hörtendorf passt zu einem außergewöhnlichen Jahr. 2026 wurden in Kärnten 56 Brutpaare nachgewiesen – so viele wie noch nie in der 31-jährigen Geschichte des Artenschutzprojektes. Der bisherige Rekord aus 2021 lag bei 54 Paaren, gegenüber 2025 gab es einen Zuwachs von 14 Paaren.
„Begünstigt wurde der Bruterfolg, neben der aufwendigen und konsequenten Betreuung der Nistkästen durch die 30 Mitarbeiter des Artenschutzprojektes, auch durch den warmen, trockenen Sommer.“Gerald MalleKoordinator des Artenschutzprojektes
Die außergewöhnlichen Wetterbedingungen kamen nicht nur der mediterranen Eulenart entgegen, sondern auch ihren Beutetieren wie Grillen und Heuschrecken, die zahlreich vorkamen.
So wurde aus zwei Nistkästen am Rand von Hörtendorf in wenigen Monaten ein kleines Stück Klagenfurter Naturgeschichte. Wo bisher nur der nächtliche Ruf Hoffnung machte, sind 2026 vier junge Zwergohreulen ausgeflogen. Klagenfurt hat damit eine neue Brutvogelart – und das sogar eine ganz besondere.