Kinder machen klug? Bei weiblichen Elsterdrosslingen scheint zumindest ein erstaunlicher Zusammenhang in die andere Richtung zu weisen: Je älter die Vogel-Mamas werden, desto schlechter schneiden sie bei Denkaufgaben ab – gleichzeitig bekommen sie tendenziell mehr Nachwuchs.
Forscher rund um Camilla Soravia von der University of Western Australia stellten 38 wild lebende Elsterdrosslinge (Turdoides bipolar) in der südafrikanischen Kalahari vor verschiedene Aufgaben. Getestet wurden unter anderem Lernfähigkeit, geistige Flexibilität und Impulskontrolle. Das Ergebnis: Bei den Weibchen nahm die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit mit dem Alter ab. Bei den Männchen zeigte sich dieser Effekt nicht.
Besonders kurios: Ältere Weibchen brachten tendenziell mehr Jungvögel zum Ausfliegen. Und bei der Auswertung von mehr als zehn Jahren Brutdaten zeigte sich, dass Tiere mit schlechteren Ergebnissen in den Denkaufgaben durchschnittlich mehr flügge Junge pro Jahr produzierten.
Heißt das nun, dass jedes Küken Mama ein bisschen dümmer macht? Nein. Die Studie beweist keine direkte Ursache. Die Forscher vermuten vielmehr einen biologischen "Trade-off": Fortpflanzung kostet viel Energie, die dem Körper möglicherweise an anderer Stelle fehlt – etwa beim Erhalt kognitiver Fähigkeiten.
Warum dieser Effekt ausgerechnet bei den Weibchen auftritt, ist noch nicht abschließend geklärt. Anders als die Männchen müssen sie allerdings zusätzlich die energieaufwendige Produktion der Eier stemmen.
Evolutionär könnte sich das trotzdem rechnen: Schließlich gibt es für Elsterdrosslinge keine Medaille für den besten Vogel-IQ. Wenn dafür mehr Nachwuchs groß wird, dürfte Mama vermutlich auch verschmerzen, beim nächsten Mehlwurm-Rätsel etwas länger zu brauchen.