Wenn für die männlichen Laubfrösche (Hyla chrysoscelis) die Paarungszeit zwischen Ende April und Anfang Mai beginnt, geht es richtig rund: Die Burschen veranstalten laute Balzkonzerte, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie suchen Gewässer auf und quaken, was das Zeug hält, damit die Weibchen auf sie aufmerksam werden.
Doch wie schaut das eigentlich aus, wenn mehrere Frösche gleichzeitig um die Gunst einer Froschdame buhlen? Dieser Frage ist ein Forschungsteam um die Biologinnen Claire Hemingway und Jessie Tanner von der University of Tennessee in einer aktuellen Studie nachgegangen. Die Ergebnisse sind diese Woche im Fachjournal "iScience" erschienen.
Für ihre Versuche bauten die Forscherinnen ein zwei Meter großes Gehege in einem schallisolierten und temperaturgeregelten Raum auf – eine Art Partnerbörse für Frösche. Dann wurden nacheinander verschiedene Laubfrosch-Weibchen hineingesetzt.
Jetzt ging das Konzert los: Aus mehreren Lautsprechern, die im Gehege verteilt waren, ertönten künstliche Paarungsrufe von männlichen Laubfröschen. Die Weibchen hüpften auf die Lautsprecher zu und entschieden sich so für einen der Lockrufe. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich die Froschweibchen eher zu Männchen hingezogen fühlen, die längere Balzlaute von sich geben.
„Weibchen suchen sich Partner, die gute Gene haben und ihrem Nachwuchs so Fitnessvorteile verschaffen. In diesem Fall gibt es tatsächlich empirische Beweise dafür, dass die Froschmännchen mit einem attraktiveren Balzruf Larven zeugen, die schneller wachsen und eine höhere Überlebensrate aufweisen“Claire HemingwayBiologin
Das Team setzte daher bei seinem Experiment auf längere, besonders attraktive Lockrufe. Zusätzlich wurden kürzere, weniger ansprechende Laute eingespielt, die als Ablenkung dienten. Ziel war es, herauszufinden, wie die Weibchen auf die unterschiedlichen Balzrufe reagieren.
Das Ergebnis: Wenn die Froschdamen zwischen zwei Lauten – einem langen und einem kurzen – wählen konnten, entschieden sie sich in 77 Prozent der Fälle für den längeren Ruf. Hatten sie aber sieben kurze und nur einen langen Lockruf zur Auswahl, wurde die Entscheidung deutlich schwieriger. Nur mehr 25 Prozent entschieden sich für den langen Balzruf.
Manchmal waren die Weibchen sogar so überfordert, dass sie sich gar nicht entscheiden konnten. Und selbst wenn sie sich schließlich für einen Ruf entschieden, dauerte das viel länger. Das ist in freier Wildbahn ein Nachteil, wie Hemingway betont: "Je länger die Weibchen für ihre Entscheidung brauchen und an ein und demselben Ort verweilen, desto länger sind sie auch den dortigen Raubtieren ausgesetzt."
Das Experiment zeigt: Zu viel Auswahl kann die Entscheidungsfindung ordentlich erschweren. In der Wissenschaft nennt man das "Auswahlparadox". Das betrifft nicht nur Tiere, sondern auch uns Menschen. Auch auf Dating-Apps kann ein Überangebot dazu führen, dass man sich am Ende gar nicht entscheiden kann, meint die US-Biologin Hemingway. Ähnlich ist es bei Streamingdiensten: "Viele Menschen scrollen minutenlang durch das Angebot, nur um sich dann erst recht nicht entscheiden zu können."
So geht es auch den Froschweibchen. Die große Auswahl an potenziellen Partnern sorgt dafür, dass sie sich aus Überforderung manchmal sogar entgegen ihrer eigentlichen Vorliebe für einen weniger attraktiven Frosch entscheiden – oder eben gar nicht. Laut Hemingway könnte das Auswahlparadox auch erklären, warum weniger attraktive Männchen im Genpool bleiben und nicht durch natürliche Selektion verschwinden.