Waldbrände werden zur immer größeren Gefahr – und ihr Rauch könnte nicht nur die Lunge belasten. Eine große kanadische Studie – veröffentlicht im Fachmagazin "JAMA Network Open" – liefert jetzt Hinweise darauf, dass die winzigen Partikel im Qualm auch heftige Kopfschmerz- und Migräneattacken begünstigen könnten.
Für die Untersuchung analysierten Forscherinnen und Forscher knapp eine Million Besuche in Notaufnahmen in den kanadischen Provinzen Alberta und Ontario. Berücksichtigt wurden Fälle aus den Waldbrandsaisonen zwischen 2010 und 2023.
Das Ergebnis lässt aufhorchen: Stieg die Belastung mit Feinstaub aus Waldbrandrauch um fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, nahm die Zahl der Notaufnahmebesuche wegen Migräne und anderer primärer Kopfschmerzen um gut sechs Prozent zu.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand sogenannter PM2,5-Feinstaub. Die winzigen Partikel haben einen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern und können tief in die Lunge eindringen. Einige Bestandteile können sogar in den Blutkreislauf gelangen. Feinstaub gilt deshalb seit Jahren als erheblicher Gesundheitsfaktor.
An Tagen mit Waldbränden war die PM2,5-Belastung erwartungsgemäß deutlich höher als an Tagen ohne Feuer. Doch eine Beobachtung der Forscher ist besonders interessant: Feinstaub an Tagen ohne Waldbrandrauch zeigte keinen eindeutig vergleichbaren Zusammenhang mit mehr Kopfschmerz-Notfällen.
Die Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass Waldbrandrauch den Körper anders belastet als etwa die Luftverschmutzung im Straßenverkehr. Denn im Rauch steckt weit mehr als nur Feinstaub. Bei der Verbrennung von Vegetation entstehen zahlreiche weitere Stoffe und reaktive Gase. Diese könnten Entzündungsreaktionen und sogenannten oxidativen Stress im Körper auslösen.
Hinzu kommt ein weiterer möglicher Faktor, der bei der Entstehung von Migräne und anderen Kopfschmerzattacken eine Rolle spielt: Waldbrände bedeuten für viele Menschen Ausnahmezustand. Dichter Rauch, schlechte Luft, Evakuierungswarnungen, Angst und schlaflose Nächte können den Körper zusätzlich unter Stress setzen. Auch Schlafmangel gilt als möglicher Auslöser von Kopfschmerzen und Migräne. Eine Kombination, die besonders problematisch sein könnte.
Trotz der auffälligen Zahlen ist Vorsicht bei der Interpretation angesagt. Die kanadische Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang – sie beweist nicht, dass der Waldbrandrauch die Kopfschmerzen tatsächlich verursacht.
Den Forschern fehlten unter anderem Informationen darüber, ob die Betroffenen bereits zuvor regelmäßig unter Kopfschmerzen litten. Auch Angaben zu Medikamenten oder zur tatsächlichen Rauchbelastung in Innenräumen waren nicht vollständig verfügbar. Damit bleiben wichtige Fragen offen.